Von Georg Langer
Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst von Karl Marx. In diesem Jubiläumsjahr kommt niemand an ihm vorbei. Für uns Ossis bedeutet das nichts neues. Hier begann die Vermarxung vor vielen Jahrzehnten. Im Verbreitungsgebiet des OderlandSpiegels gibt es mindestens zehn nach dem Propheten des Kommunismus benannte Straßen und eine Allee. Der alte Charlie liegt damit klar vor Goethe, Bach, Einstein und Luther. Und das, obwohl er nie diese Orte betrat. Als die Marxisten regierten, zierte der Gegner des Finanzkapitals sogar den Hundert-Mark-Schein. Zu Recht fasziniert der Philosophie kritisierende Philosoph, der Antisemit mit jüdischen Vorfahren, der sich selbst widersprechende Journalist noch heute. Friedenskundgebungen  sammeln sich vor Denkmälern des Verfechters der materiellen Gewalt, des gewaltsamen Umsturzes und der Diktatur des Proletariats. Aufgrund seiner Theorien wurden Regime gestürzt, Kriege entfacht, Menschen inhaftiert, gefoltert und hingerichtet. Aber ganz so viel Widmungen verdient er trotzdem nicht. Unser Volk produzierte andere große Denker, wie Kant, Hegel, Schopenhauer und Nietzsche. Deren Namen finden sich kaum auf Stadtplänen wieder. Dabei konnten sie sich besser ausdrücken als der Meister der endlosen Schachtelsätze. Das Argument, Namensänderungen wären zu aufwändig, akzeptiere ich nicht. Ganze Städte schafften es, den Marx-Murks loszuwerden. Das Problem lässt sich mit minimalem Aufwand lösen: May statt Marx, oder Groucho statt Karl. Ein staatlich verordneter Personenkult muss ja nicht ewig fortgesetzt werden. Wie Kalle selbst schrieb: „Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse“.