Nicht umsonst gilt der Herbst als die unbeliebteste Jahreszeit. Es fällt immer schwerer, aus dem Bett zu kriechen, wenn jeder Morgen dunkler und kälter wird. Selbst nachdem die Sonne aufgeht, lässt sie sich kaum blicken. Die roten und gelben Farbtöne der Laubbäume und Sträucher sehen malerisch aus, doch der graue Himmel bildet einen hässlichen Kontrast dazu. Und wenn die Blätter herunterfallen, verzweifeln besonders Gärtner und Rasenbesitzer. Bald dröhnen wieder überall elektrische Laubbläser, denn Harken und Besen sind zu billig, leicht, leise und altmodisch. Die Bahn kann ihre Zugausfälle zur Abwechslung auf höhere Gewalt schieben, statt ständig nur auf Baustellen. Das nasse windige Wetter beschert uns die Grippe, die Bronchitis und die gemeine Erkältung. Schon fast vergessene Verletzungen schmerzen plötzlich erneut. Es gehört einiges dazu, den Herbst schön zu finden. Das gelingt am ehesten an einem der wenigen Sonnentage. Dann bereiten Spaziergänge Spaß, und Kinder erhalten kostenloses Bastelmaterial. Aber auch Stürme und ähnliche Naturgewalten besitzen einen gewissen Reiz. Während eines Hagelschauers an der Westküste Irlands begegnete ich einem alten Bauern auf der Straße. „Bei Gott, das ist ein Rauer“, bemerkte er lächelnd. Nur den stärksten Menschen gelingt es, eine derartige Witterung zu genießen. Der Indianerhäuptling „Regen im Gesicht” war wegen seiner Tapferkeit im Kampf bekannt. Seine Gegner fürchteten ihn und ein Bleichgesicht widmete ihm sogar ein Gedicht. Bestimmt hätte ein weicherer Name, zum Beispiel „Ärztliches Attest” oder „Bleibt-im-Tipi” dem Ruf des roten Kriegers geschadet. Der Herbst ist für die Harten.