Lärm kann schmerzen. Das wissen die meisten. Der Philosoph Arthur Schopenhauer behauptete, intelligente Menschen wären die Lärmempflindlichsten, was allerdings ein bisschen nach Eigenlob klingt. Dennoch kann ich Forderungen nach Nachtruhe nachvollziehen. Nach dem Umzug aus Amsterdam kam es mir in der märkischen Pampa sehr ruhig vor, nach der Rückkehr aus Indien sogar totenstill. Wer eine Weile hier wohnt, bemerkt immer mehr Geräusche: die Bohrmaschine am Sonntag, die Schwertransporter zwei Straßen weiter, die ohne Anlass losgehende Alarmanlage, den morgendlichen Rasenmäher und den ins Telefon brüllenden Wichtigtuer. All das wird allgemein akzeptiert. Beschwerden hagelt es immer dann, wenn es so klingt, als hätten andere Leute Spaß. Spielende Kinder, Geburtstagsfeiern, Terrassen und Biergärten bringen regelmäßig Anwohner auf die Palme. Da wird gleich die Polizei und der Richter gerufen, als hätten die nichts besseres zu tun. Zertrümmern aber Randalierer die Außeneinrichtung eines griechischen Restaurants, das es wagte, auch abends Gäste zu bedienen, will niemand etwas gehört haben. Dieses Wochenende wird in Frankfurt (Oder) das HanseStadtFest gefeiert. So etwas lässt sich kaum ohne Musik, Feuerwerk und andere Klänge veranstalten. Hoffen wir, dass die üblichen Spielverderber und Wutbürger inzwischen Toleranz gelernt haben, und uns dieses Vergnügen gönnen. Die größte Party Ostbrandenburgs steigt ja nur einmal im Jahr. Hellhörige Nachbarn, denen es in der Innenstadt zu laut ist, waren wahrscheinlich noch nie in Kairo, Delhi oder Hongkong. Im Vergleich zum dortigen Alltagslärm sind unsere Volksfeste allenfalls Gluckser im Bad.