Von Georg Langer
Die wieder aufkeimende Judenfeidlichkeit macht mir Sorgen. Gegen rechte Spinner zu wettern, reicht da nicht aus. Für Neonazis und Islamisten gehört der Hass auf Juden zum Berufsbild. Wenn er von links kommt, ist er nicht minder gefährlich, und oft getarnt. Dann heißt er nämlich Antizionismus oder Israelkritik. Unter diesen Pseudonymen beschimpfen Leute, die sonst nichts mit Rassismus am Parteihut haben, die einzige Demokratie des Nahen Ostens als Apartheidregime, die angeblich von einer internationalen Lobby reicher Juden unterstützt werde, und fordern Boykotte. Als ich einen linken Lokalpolitiker in einem Interview darauf ansprach, sagte er spontan: „Ich finde diese Meinung nicht richtig. Ich teile sie in keinster Weise.“ Nachträglich änderte er diese Aussage zu „Kritik an der Politik eines Staates mit Feindlichkeit gegenüber Juden gleichzusetzen finde ich aber auch abwegig“, verteidigt damit also Deutsche, die sich berufen fühlen, das jüdische Volk über Menschenrechte zu belehren. Vor einigen Jahren sprach Schimon Peres während der Auschwitz-Gedenkveranstaltung vor dem Bundestag. Nach dem Vortrag über seinen ermordeten Großvater standen die Abgeordneten respektvoll auf. Nur drei Genossinnen weigerten sich demonstrativ, die linken Hinterteile vom Stuhl zu heben. Eine Sitzenbleiberin erklärte später, der Israeli sei an diversen Kriegen schuld. In Wirklichkeit bekam Peres für seine jahrzehntelangen Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Palästinakonflikts den Friedensnobelpreis. Obendrein war er Sozialist. Anscheinend brachte allein seine Herkunft drei Linke gegen ihn auf. Wenn das nicht mit Feindlichkeit gegenüber Juden gleichzusetzen ist, was dann?