Es freut mich, wenn Menschen für den Frieden demonstrieren. Um so trauriger stimmt es mich, wenn die Ostermärsche jedes Jahr etwas mehr vom Ziel abweichen. Den meisten Marschierenden liegen zwar nach wie vor die Abschaffung aller Atomwaffen und allgemeine Abrüstung am Herzen. Aber immer häufiger erklingen auf diesen Märschen Stimmen, die direkt aus rechten Reihen stammen könnten. Sie fordern zum Beispiel das Ende aller Auslandseinsätze deutscher Soldaten. Bekanntlich erfordert das den Austritt aus der Nato, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen. Von einer derartigen Abschottung vom Rest des Planeten träumen sonst nur durchgeknallte Reichsbürger. Gerade diesen Frühling sollten wir Europa feiern. Vor fünfzehn Jahren traten Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern der Europäischen Union bei. Nicht auf irgendwelchen Druck, sondern als Ergebnis demokratischer Volksabstimmungen. Der Wunsch der „Alternative für Deutschland“ und der „Linkspartei“, unsere Truppen aus östlichen Mitgliedsländern zurückzuziehen, nervt auch zusehends. Die stehen da nicht, um Krieg mit Putin anzufangen, sondern zu verhindern. Mehrere Länder gleichzeitig greift der Mann nicht an. Einzelne gern, wie Georgien und die Ukraine erfuhren. Außerdem wählen wir bald das Europäische Parlament. Das beschert uns trotz der Unkenrufe vom linken und rechten Rand mehr Gutes als Schlechtes. Die Genossinnen und Genossen der ehemaligen Mauerbaupartei sollten aufhören, alles Westliche zu verteufeln, alles Russische zu vergöttern und rechten Nationalisten das Wahlprogramm zu klauen.