Um diese Jahreszeit werde ich oft gefragt, ob es nicht gefährlich ist, bei Schnee oder Glatteis Rad zu fahren. Meine Antwort lautet, es ist gefährlich, in Brandenburg Rad zu fahren. Im Landesrechnungshof wurde jetzt gesagt, der Zustand unserer Radwege sei marode. Dem stimme ich zu, aber es gibt auch zu wenige. Besonders innerhalb von Ortschaften bin ich meistens gezwungen, auf der Straße zu fahren. Das nervt manche Autofahrende, die mir „Fahr uffm Radweg“ zurufen. Diese Leute nehmen also an, es gäbe einen Radweg, auch wenn er nirgends zu sehen ist. Ein Herr in einem Lieferwagen brüllte neulich: „Der Radweg ist dort“ und deutete in eine willkürliche Richtung. Daran ist zu erkennen, dass sich auch diejenigen, die nicht radeln, mehr Radwege wünschen. Warum auch nicht? Auch ihnen erleichtert es das Leben, wenn sie nicht ständig versuchen müssen, mich von der Fahrbahn abzudrängen oder auszubremsen, um meine Reaktionsschnelligkeit zu testen. Und je weniger sie mich sehen, um so weniger müssen sie sich darüber ärgern, dass dort jemand unterwegs ist, der keine Kraftfahrzeugsteuer zahlt. Wo kämen wir schließlich hin, wenn noch mehr Menschen mit dem Drahtesel unterwegs wären? Parkpätze wären nicht ausgelastet und arabische Scheichs blieben auf ihrem Öl sitzen. Obendrein haben die Deutschen das Automobil erfunden. Wer andere Verkehrsmittel nutzt, begeht Landesverrat. Wenn es mehr Radwege gäbe, könnten sich alle, die brav auf vier Rädern herumkutschieren, endlich wieder darauf konzentrieren, einander anzuhupen. Bis dahin bleibt es gefährlich, in Brandenburg Rad zu fahren. Spaß macht es trotzdem.