Nun ist es also passiert. Die internationale Bewegung „Fridays for Future“ kommt bei uns an. Kinder und Jugendliche gehen auf die Straße, um den Raubbau an Natur und Umwelt aufzuhalten. Und das in Brandenburg, dem Land der Massentierhaltung, Braunkohle, stillgelegten Bahnhöfe und übergroßen Geländewagen. Das sorgt bei verschiedenen Erwachsenengruppen für Nervosität. Eine Polizistin fummelte während der völlig friedlichen Demonstration schon am Pfefferspray herum. Im Internet pöbelten mehr Spießer als üblich. Sie warfen den Aktivisten Dummheit, Faulheit und Heuchelei vor, oder vermuten, hinter den Protesten stecke eine globale Verschwörung Müsli mampfender, Sandalen tragender Öko-Spinner, die den alten Herren die Autos wegnimmt und sie zwingt, gemeinsam mit armen Schluckern Straßenbahn zu fahren. Die meisten Machthaber in Bund, Ländern und Kommunen reagieren etwas besonnener auf die Freitagsdemos. Dass Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke sich den jungen Klimakriegern stellte, beeindruckte sie. Dass er nur Gespräche, eine Website und einen Ausflug anbot, reicht selbstverständlich nicht. Mehr Zugeständnisse machen andere Verantwortungsträger leider auch kaum. Die Kinder erwarten zu Recht direkte Maßnahmen, etwa ein Verbot von Insektengift, häufiger fahrende und billigere öffentliche Verkehrsmittel, Radwege und ähnliche Anreize, das Auto stehen zu lassen. Einen Anfang könnte unser Oberwilke trotz leerer Stadtkasse jedenfalls machen. Fördergeld für Ladestationen, die Elektroautos nun einmal brauchen, liegen schon bereit. Hoffentlich werden die nicht für teure Gutachten ausgegeben, um herauszufinden, ob und wo etwas geschehen muss. Klimaschutz gebührt oberste Priorität, sogar noch vor dem Abbau der Schulden, die in einer kaputten Welt ganz egal wären.