Auch knapp dreißig Jahre nach dem politischen Umbruch in Deutschland werden in großen Müllsäcken Schicksale zutage gebracht. Noch immer finden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik - kurz BStU - Relikte aus anderen Zeiten. Jeden Tag, jede Stunde. Ihre Arbeit macht es möglich, auch nach Jahren Unrecht aufzudecken, das vielen, vielen Menschen widerfahren ist. Ehemalige Insassen des  Kinderheims in Bad Freienwalde beispielsweise hoffen auf das Finden von Beweisen, die belegen, dass diese Einrichtung gar nicht so harmlos war, wie bisher gedacht. Für Betroffene, die dort Teile ihrer Kindheit verbringen mussten, würde mit solchen Erkenntnissen die Chance auf Wiedergutmachung wachsen. Zurzeit wird ihnen die noch verwehrt. Die Leute der BStU sorgen für Aufarbeitung, die aus anderen Teilen der deutschen Geschichte längst erfolgt und täglich präsent ist. Für den Zweiten Weltkrieg wird sich heute noch in der ganzen Welt entschuldigt. Aber die Machenschaften der Oberen in der Ex-DDR scheinen nicht zu interessieren. Im Geschichtsunterricht kommen sie fast gar nicht vor. Zwölfjährige wissen heute nur selten, dass es die DDR überhaupt gab. Dieses Kapitel wird in der Schule erst viel später angerissen. Umso wichtiger ist und bleibt die Arbeit des Bundesbeauftragten. Und umso schändlicher ist es, dass Entscheidungsträger immer wieder versuchen, diese Behörde aufzulösen. Mit deren Abwicklung gehen nicht nur hunderte Arbeitsplätze für Fachkräfte verloren, sondern Fakten, die nie ihren Platz in den Büchern über die deutsche Geschichte finden werden.