Diese Woche sorgten Gewerkschaftsbosse dafür, dass Frankfurter Fahrgäste ausreichend Bewegung an der frischen Luft bekamen. Ein erst am Vorabend angekündigter Warnstreik der Bus- und Straßenbahnfahrer ließ viele bei Minusgraden zu Fuß gehen. Das Verständnis bei den Betroffenen hielt sich in Grenzen. Das liegt nicht nur daran, dass die Streikenden deutlich mehr verdienen als der durchschnittliche Ossi. Auch sind die Ticketpreise bei uns schon so hoch, dass es billiger ist, Auto zu fahren. Das umweltfreundliche Verkehrsmittel, das gerechterweise gratis sein sollte, können sich bald nur noch wenige leisten. Höhere Lohnforderungen werden wahrscheinlich am Ende die Fahrgäste bezahlen. Das ist das Besondere dieser Branche. Wenn in der Industrie die Arbeit niedergelegt wird, schadet das dem Arbeitgeber. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln verliert er aber kaum Einnahmen. Geschädigt werden nur die Fahrgäste. Die meisten von ihnen hatten Monats- oder Jahreskarten und damit längst für den nicht erbrachten Service bezahlt. Unterdessen waren die Streikposten vor dem Betriebsbahnhof guter Dinge. Bei einem wärmenden Feuer tranken sie Kaffee und posierten für Gruppenfotos. Ein Politiker, der wohl Wählerstimmen witterte, tauchte auf. Er erklärte die bedingungslose Unterstützung seiner Partei, denn Streiken ist ein Grundrecht. Diese Argumentation wurde bereits bei dem berüchtigten Streik der Lokführer zum Besten gegeben. Wir streiken, weil wir das dürfen. Nun, ich darf auch so einiges, was ich aus Anstand oder Ehrgefühl unterlasse. Für Geld etwas zu verzapfen, was fast an Körperverletzung grenzt, würde auf jeden Fall dazugehören.