Ich hasse es, im Dunkeln mit dem Auto über Land zu fahren. Und wenn es dazu noch neblig ist, höre ich die Migräne normalerweise schon laut anklopfen. Am Mittwoch blieb mir allerdings nichts anderes übrig, als diese Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. In Beeskow sollte der Landrat gewählt werden, und da musste ich dabei sein. Meine Vorstellungen von diesem Termin lauteten: lang und zäh. Aber nein. Es ging relativ schnell und war sogar ziemlich lustig. Vor der Abstimmung stellten sich die Bewerberinnen und Bewerber dem Kreistag vor. Sie hatten fünf Minuten Redezeit. Was da teilweise zutage kam - kaum zu glauben. Ein Mann prahlte mit seinen Erfahrungen, die er einst als Dezernent in Frankfurt (Oder) sammelte, bevor er von heute auf morgen das Handtuch schmiss. Obendrein nörgelte er noch an der Arbeitsweise früherer Landräte des Kreises rum, was ihn nicht sympathischer erschienen ließ. Ein anderer kritisierte die Fraktionen, weil sie ihn nicht zu einer Gesprächsrunde eingeladen hatten, was viele Anwesende als Affront auffassten. Ein dritter Bewerber war noch nie politisch tätig, sieht in seiner Unberührtheit eine Stärke für alle und findet die Kreisgebietsreform gut. Er würde sie so umsetzen, wie sie geplant ist. Immerhin. Es gab auch einen Bewerber, der zu diesem Thema keine Meinung hat. Auf Augenhöhe mit dem Sieger Rolf Lindemann war meiner Meinung nach nur Christine Kohls. Und wer weiß, vielleicht ist die Unternehmerin aus Kleinmachnow ja eine ernsthafte Option, wenn es darum geht, die geeigneten Beigeordneten zu finden. Wünschenswert wäre es - für Christine Kohls, für Rolf Lindemann und für den Landkreis.