Der 1. Mai ist Feiertag. Seit ungefähr einem Vierteljahrhundert wird dieser Fakt auch in Ostbrandenburg gelebt. Mit der politischen Wende ist nichts mehr zu merken von dem Zwang, am Maifeiertag  im Gleichschritt durch die Straßen zu traben. Ausstaffiert mit Wimpeln, eingeängt von blauen und roten Tüchern um den Hals und schwitzend in unbequemen Blusen. Widerwillig, mit Unlust und dem Gedanken im Kopf, die freie Zeit für etwas Besseres nutzen zu können. Jetzt dürfen die Menschen selbst entscheiden, wie sie diesen Tag verleben möchten. Viele von ihnen nehmen das Angebot von Parteien, Gewerkschaften, Vereinen und Instititionen zum Feiern gern an. Weil es freiwillig ist. Die Genossinnen und Genossen von heute haben begriffen, dass Politik und gesellschaftliche Probleme mit Spaß und Freude kombinierbar sind. Es ist durchaus sinnvoll, beim Feiern auf lockere Art an den Ursprung dieses Feiertages zu erinnern. Das haben inzwischen auch die Leute, die nicht links wählen, begriffen. Die Volksfeste am 1. Mai sind etwas ganz besonderes. Weil sie mit viel ehrenamtlichem Engagement gewachsen sind. Weil sie nicht so kommerziell angehaucht sind und weil sie Aktionen und Eindrücke bieten, an die bei großen Stadtfesten gar nicht mehr gedacht wird. Die Maifeierlichkeiten entstehen von innen. Die Sache steht im Vordergrund, nicht das Geld. Die Veranstalter wissen, wer von sich aus den Weg auf ein Festgelände findet und sich bei Kaffee oder einem Bierchen den politischen Ausführungen auf den Bühnen hingibt, nimmt auch etwas davon mit. Meistens ist das nicht nur die rote Nelke am Knopfloch.