Kinderarmut ist ein Problem, das alle angeht. Auch René Wilke, der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), hat das erkannt, und sich schon im Wahlkampf mit diesem Thema in das Licht der Öffentlichkeit gerückt. Seit neuestem gibt es einen Runden Tisch zur Bekämpfung von Kinderarmut. Daran sitzen Leute, die täglich damit konfrontiert werden - dienstlich wohlgemerkt. Das ist eine ganz tolle Sache. Sie können bei ihren Erörterungen so richtig aus dem Leben greifen. Nur leider nicht aus dem eigenen. In den vergangenen Wochen präsentierte der Oberbürgermeister an verschiedenen Stellen mehrer A4-Seiten voller Angebote für Familien in der Stadt. Auch eine Diskussion mit Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey hatte er für diese Werbung in eigener Sache genutzt. Unerwähnt blieb, dass viele dieser Angebote teuer zu bezahlen sind. Für Familien mit wenig Geld ist ein Schwimmbadbesuch in Frankfurt (Oder) schier unerschwinglich. Zwei Erwachsene und zwei Kinder zahlen hier pro Stunde zusammen 7,60 Euro. In Eisenhüttenstadt können sie eine Familientageskarte nutzen, mit der sie auf 2,80 Euro pro Stunde für alle kämen. Damit irgendwann mehr Geld in die Familienkassen kommt, will der Oberbürgermeister, dass Lehrer über Möglichkeiten finanzieller Unterstützung beraten. Das verkauft er ganz stolz als Maßnahme zur Bekämpfung von Kinderarmut. In einem Assessment-Center, wie es Existenzgründer in der IHK durchlaufen, fiele er gnadenlos durch. Und auch seine Kindercharta ist mehr Wunschtraum als Realität. Unternehmer sollen sich zu Kinderfreundlichkeit bekennen. Wie wird das aussehen? Können gestresste Eltern nun darauf bauen, dass die Kleinen in Geschäften auf die Toilette dürfen? Wahrscheinlich nicht.