„Hartz IV muss weg” - dieser Meinung sind die meisten der Betroffenen schon lange. Jetzt erhalten sie Unterstützung aus den Reihen von SPD und Grünen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Diejenigen, die die Reformen einst auf den Weg brachten, wollen diese jetzt nicht mehr. Das ist keineswegs schizophren, sondern dringend notwendig - zumindest was die Sanktionen durch die Jobcenter angeht. Sicherlich sollten notorische Faulenzer, Sozialschmarotzer und Betrüger nicht in vollem Umfang von den Sozialleistungen profitieren. Aber wer entscheidet, welche Hartz IV-Empfänger in diese Kategorien gehören? Gefühlt sind es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den zuständigen Behörden. Die Spielräume, die ihnen die Gesetzgeber gaben, werden nur in den seltensten Fällen ausgeschöpft. Ein Beispiel: Der Umzug in eine neue Wohnung wird abgelehnt, weil sie nicht hundertprozentig in die Richtlinien passt. Zwar stimmt der Preis, aber vier Zimmer sind für zwei Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft zu viel. Lieber wird eine Dreiraumwohnung bezahlt, die genauso viel kostet. Oder die Frist für Antragstellungen läuft an einem Samstag ab, weshalb das Papier nicht rechtzeitig den Bearbeiter erreicht. Was kann der Leistungsbeziehende dafür, dass im Jobcenter am Wochenende nicht gearbeitet wird? Egal. Wer nicht arbeitet, hat Zeit und kann Anträge oder Formulare auch schon vorfristig einreichen. Tut er das nicht, wird er wegen Betrugs angezeigt und - viel zu oft - auch verurteilt. Viele Hartz IV-Bezieher haben aber einfach nicht das Wissen, sich gegen die Willkür einzelner Jobcenter-Mitarbeiter zu wehren. Wenigstens das sollte künftig anders werden.