Von Georg Langer
Heute will ich ausnahmsweise über Geld schreiben. Nun werden viele denken: Was versteht der Langer schon von Geld? Der wohnt in einem Plattenbau und fährt ein zwanzig Jahre altes Rad. Mag alles stimmen. Doch selbst wer kein Finanzexperte ist, kriegt mit, dass der große Sparangriff einem privaten Haushalt helfen kann, aber nicht dem eines Landes oder einer Kommune. Das beweist Portugal. Gegen den Widerstand der Europäischen Union und die laute Kritik der deutschen Regierung setzte das kleine Land am Atlantik auf Ausgaben statt Austerität. Es erhöhte Löhne und Renten. Sonderabgaben wurden fallen gelassen. Der Erfolg zeigte sich bereits nach wenigen Monaten. Die Arbeitslosenzahl sank, die Kaufkraft stieg, die Wirtschaft blüht. Schulden an den internationalen Währungsfonds werden vorzeitig zurückgezahlt. Investoren und Touristen strömen in die iberische Republik. Unterdessen wird an der Oder gespart, dass es nur so kracht. Anleger und Existenzgründer vergrault die Landesführung mit überhöhten Gewerbesteuern. Es fehlen Mittel für Busse, Straßen- und Eisenbahnen. Lokalpolitiker streiten darüber, wem zuerst die Förderung gestrichen werden könnte. Manche möchten auf Kultur verzichten, andere auf Sport oder Infrastruktur, alle beklagen Abwanderung. Trotz hoher Arbeitslosigkeit gibt es Forderungen nach Stellenabbau im öffentlichen Dienst. Selbst Leute, die sich um Arbeitslose kümmern müssten, sollen entlassen werden. Öffentlich-rechtliche, städtische und gemeinnützige Gesellschaften bekommen die Auflage, profitabel zu wirtschaften. Und das in einem der reichsten Länder der Welt. Keine Regierung darf Steuereinnahmen unter der Matratze verstecken. Geiz ist nicht geil.