Das Glas ist halbvoll und nicht halbleer. Diesem etwas abgedroschenen Spruch folge ich schon mein Leben lang. In den vergangenen Tagen bestätigte er sich wieder. Unsere Potsdamer Landesfürsten bestehen nicht mehr unbeweglich darauf, den vorsibirischen Sumpf zwischen Oder und Spree kaputtzusparen. Sie versprechen zum Beispiel, Bahnstrecken neu zu beleben statt stillzulegen. Es sieht so aus, als ob einige der Rekordsteuereinnahmen endlich bis zu uns durchsickern. Mit etwas Glück nehmen sich andere Verantwortliche ein Beispiel daran. Wenn Geldautomaten, Briefkästen und Telefonzellen in die Dörfer zurückkehren, und Busse auch am Wochenende fahren, steht eine neue Blüte der ländlichen Gegenden bevor. Da verhallen die lauten Stimmen von der rechten und linken Peripherie weitestgehend, die unsere Städte und Gemeinden als postapokalyptische Dystopie darstellen. Völlig schweigen werden sie wohl nie. Parlaments- und Bürgermeisterwahlen sind ein willkommener Anlass für Panikmacher, den sprichwörtlichen Teufel an die Wand zu malen. Unbeirrt hält sich die Meinung, seit der Wende ginge alles den Bach herunter. Selbsternannte Rebellen fühlen sich von der eisernen Ferse demokratisch gewählter Volksvertretungen zerdrückt. Angeblich verhungern alle, werden von bärtigen Wüstensöhnen überfremdet, von Schwulen und Lesben ihrer Werte beraubt, von selbstbewussten Frauen entmannt, von Bibern untergraben und von Wölfen gefressen. Dabei genügt ein entspannter Spaziergang an einem freien Tag, um zu bemerken, wie gut es uns geht. Nicht umsonst zieht es immer mehr Menschen freiwillig dorthin, wo morgens die Sonne über Deutschland aufgeht.