Journalismus ähnelt oft Detektivarbeit. Das Wort investigativ bedeutet ja ermittelnd. Informanten werden befragt, Zeugen aufgespürt und Archive durchwühlt mit dem Ziel, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Zum Berufsrisiko gehört nebenbei, Drohungen und Angriffe gelassen zu ertragen. Und es gibt Versuche, die Glaubwürdigkeit der Medien durch die Einsendung von Falschmeldungen zu ruinieren. Das scheitert an der alten Regel von den zwei unabhängigen Quellen. Dieser Bestandteil des journalistischen Ehrenkodexes gilt natürlich nicht für Autoren von Leserbriefen. Das nutzen viele zu Recht, um Meinungen in die Zeitung zu bekommen, die kein Redakteur teilt. Vor kurzem missbrauchte jemand diesen Umstand auf ungewöhnliche Weise. Er stahl die Identität eines anderen Menschen für den Absender. Das erfuhr ich diesen Mittwoch, als der rechtmäßige Namens- und Adresseninhaber leibhaftig im Verlagsgebäude stand. Nach Gesprächen mit ihm und zwei in der Leserzuschrift erwähnten Personen gibt es in diesem Pressekrimi einen Hauptverdächtigen. Aufgrund der Unschuldsvermutung verschweige ich hier seinen Namen, und nenne ihn zum Schutz seiner Persönlichkeit Nusswalt von Clown-Stengel. Von Clown-Stengel kann anscheinend aus unterschiedlichen Gründen die in seinem Schreiben angesprochenen Lokalpolitiker, den Besitzer der gestohlenen Identität und diese Zeitung nicht leiden. Auf einen Streich wollte er dreifachen Rufmord begehen. Das perfekte Verbrechen erfordert aber das Verwischen von Spuren. Das hat Nusswalt von Clown-Stengel noch nicht so richtig drauf, weshalb er wahrscheinlich uniformierten Besuch erhält, noch bevor dieser Kommentar im Briefkasten steckt.