Dass das Meckern zur Mentalität der Frankfurterinnen und Frankfurter gehört, hat sich vorigen Dienstag wieder einmal bestätigt. Jens-Marcel Ullrich hat nach dem Bombenfund - gemeinsam mit Experten - entschieden, das Ding noch am gleichen Abend entschärfen zu lassen. Manchen von der Evakuierung Betroffenen hat das nicht gefallen. Sie fragten sich, warum die das nicht ganz in Ruhe am nächsten Tag machen, statt mitten in der Nacht. Die Antwort ist ganz einfach: Am nächsten Tag die halbe Innenstadt zu sperren, hätte viele Frankfurter und Zugereiste noch mehr gestört. Außerdem wäre es notwendig geworden, Schüler und sogar Kita-Kinder zu evakuieren. Und zu allem Überfluss war für Mittwoch noch ein Streik im öffentlichen Dienst angekündigt, der den Einsatz der vielen Hilfskräfte hätte zunichte machen können. Wer mal ganz ehrlich ist, müsste den Verantwortlichen für die letztlich getroffene Entscheidung dankbar sein und dies auch aussprechen. Aber das passt wohl nicht zu Frankfurt (Oder). Deshalb übernehme ich das heute mal stellvertretend. Die Leute, die für den reibungslosen Ablauf gesorgt hatten, waren spitze. Alle kannten ihre Aufgabe, alle waren souverän. Und - das Wichtigste - alle blieben freundlich, auch wenn sie angemault wurden. Ich ziehe den Hut vor den Polizisten, die teilweise sogar aus Schönefeld zum Einsatz kamen, um standhaft stundenlang die Straßensperrungen zu verteidigen. Ich bewundere die Männer und Frauen, die alten Menschen in der Brandenburghalle auf die Toilette halfen. Und ich lobe mir den Dezernenten, der in einer verzwickten Situation die richtige Entscheidung getroffen hat und da war. Jens, ich gönne dir jede Zigarette, die du in dieser Nacht geraucht hast. Danke.