Von Georg Langer
Auf das Frankfurter Stadtfest freue ich mich schon, und verwende bewusst den umgangssprachlichen Begriff. Offiziell heißt das Ding HanseStadtFest. Auf dieser schwer lesbaren Version der Großschreibung bestehen die Veranstalter und Organisatoren, oder VerAnstalter und OrganisaToren. Daneben trägt die Fete noch zwei weitere Titel: Übermütiger Hahn bei den Polen und Bunter Hering bei den Deutschen. Heringe gab es in der Oder noch nie. Deshalb könnte das Ganze besser Bunter Barsch oder Witziger Wels heißen. Aber abgesehen vom Namen gelingt dieses Fest immer. Ob das diesmal zutrifft, weiß ich noch nicht, weil dieser Zeitungskommentar vor der Eröffnung am Freitag fertig werden muss. Einige geplante Änderungen klingen etwas besorgniserregend. Bei der üblichen Schlemmermeile ist jetzt die Rede von Foodtrucks. Bemüht sich da jemand mit aller Kraft um ein modisches und großstädtisches Erscheinungsbild, oder nur um eine Ausrede für überhöhte Imbisspreise? Apropos Anglizismen: Auch das Wort „Craftbeer“ fiel bei den Vorbereitungen. Dahinter verbirgt sich Bier, das kein erfahrener Brauer herstellt, sondern irgendein bärtiger Hipster mit zu viel Freizeit. So schmeckt es dann auch. Hoffentlich bleiben uns die alten Biersorten trotzdem erhalten. Übrigens sah ich vor zwei Wochen das Potsdamer Stadtfest, wenn auch nur von weitem. Es ging samstags erst um 16 Uhr los. Das Festgelände am Hafen erinnerte mit seinen unzähligen Absperrungen, Zäunen, Sicherheitsleuten und Kontrollen an eine politische Kundgebung. Da feiert unser Provinzkaff deutlich einladender als die Landeshauptstadt. Allen Leserinnen und Lesern viel Vergnügen dabei!