Von Georg Langer
Zu den Attraktionen unserer Region zählt die Nähe zu Polen. Das finden alle, die mich besuchen. Leider gibt es Kräfte, denen das gegen den Strich geht. Sie waren schon während des SED-Regimes aktiv, als die Zeitung „Neuer Tag“ behauptete, die Polen kaufen uns alles weg. Seitdem hat sich der „Neue Tag“ umbenannt, und die SED mehrmals. Aber wie Sumpfgas blubbern Feindseligkeiten immer wieder an die Oberfläche. Anfang der Neunziger pilgerten Neonazis zur Frankfurter Stadtbrücke, um mit Steinen nach einem aus Slubice kommenden Bus zu werfen. Dann folgte eine Ära der Vernunft. Grenzkontrollpunkte wurden abgerissen. Linienbusse überqueren den Fluss. Pläne für eine Straßenbahn und für neue Brücken stießen jedoch auf Ablehnung. Der Grund, den ich hörte, war der Glauben, die Polen würden alles klauen. Denn wenn ein Dieb aus dem Nachbarland stammt, wird seine Nationalität so oft wie möglich erwähnt. Laut einem weiteren Vorurteil nimmt Polen keine Flüchtlinge auf. Dabei wohnen an die Tausend von ihnen allein in Slubice. Vertreter der Höckepartei schwänzen deutsch-polnische Veranstaltungen. Die Linken werden nicht müde, gegen Rückendeckung für Polen zu protestieren. Manchmal tragen sie Transparente mit der Parole „Ami go home“. Wenn darauf angesprochen, versichern sie, nicht die Amis zu meinen, die hier studieren oder zu Besuch sind. Und angeblich soll die Forderung nach unterlassener Hilfe, der sich auch unser Ministerpräsident anschloss, nicht polenfeindlich sein. Dieser Koalition der Missverstandenen sollten wir grenzübergreifende Zusammenarbeit entgegensetzen. Wir brauchen mehr Brücken über die Oder – in Eisenhüttenstadt, in Lebus und in unseren Köpfen.