Vor allem Mieterinnen und Mieter in Plattenbauten kennen das Phänomen: Etwa einmal im Monat steckt im Briefkasten oder klebt an der Haustür ein Zettel, der Zugang zur Wohnung erbittet oder sogar fordert. Die Begründungen wechseln regelmäßig. Irgendwelche Zähler sollen abgelesen oder ausgetauscht, Lüftungsöffnungen überprüft, Durchlauferhitzer und ähnliche Installationen gewartet werden. Mitunter entsteht der Eindruck, der Vermieter veranlasst all diese Visiten, um zu kontrollieren, ob seine Immobilie als Casino, Drogenlabor oder Faschgelddruckerei missbraucht wird. Vor einiger Zeit vermehrten sich die Besuche noch durch den Anbau von Rauchmeldern. Diese Geräte beleben nicht nur durch ihr regelmäßiges Blinken das Schlafzimmer, verkünden lautstark in der Wohnküche, wenn die Bratwürste gar sind oder sorgen als Modernisierungsmaßnahme für Mieterhöhungen. Sie bringen zusätzliche Wartungsarbeiten mit sich, obwohl sie laut Gebrauchsanleitung zehn Jahre lang keine benötigen. Zwar habe ich nichts dagegen, ständig Fremde in mein Heim zu lassen. Aber dafür zu Hause zu bleiben, lässt sich in den meisten Berufen nicht einrichten. Deshalb schlage ich vor, alle Wohnungsinvasoren tanzen einmal im Jahr gemeinsam an. Dann können die einen an Gas, Wasser und Strom herumschrauben, während andere die Zahlen von Messgeräten abschreiben, Schornsteinfeger verstaubte Lüftungsklappen tadeln, Gesandte des Vermieters nach dem Rechten sehen und Missionare verschiedener Religionen die Bewohner bekehren. Wenn ich nach so einem Tag der offenen Wohnungstür für den Rest des Jahres meine Ruhe hätte, würde ich ihn gern freinehmen.