Der Weihnachtsmarkt ist ein netter Brauch. Er mag Kritikern zu gewerblich und Weihnachsmuffeln kitschig vorkommen. Aber unter den Dingen, wofür die Deutschen im Ausland bekannt sind, zählt er zu den Erfreulicheren. Die meisten Advents- und Weihnachtsmärkte unseres Landstrichs laufen gleichbleibend gut. In Seelow, Beeskow, Storkow, Golzow, Neuzelle, Fürstenberg, Müncheberg, Wulkow, Friedland, bei Wichern und anderswo stehen die Stände zwar nur einen Tag oder ein Wochenende lang. Aber keiner dieser Orte hat sich meines Wissens beim Markt abhalten blamiert. Müllrose überließ die Organisation im vergangenen Jahr einem Berliner, der das Ganze als Event bezeichnete, das englische Wort für Ereignis, Vorfall oder Zwischenfall. Nach diesem Reinfall will sich jetzt wieder das Haus des Gastes selbst um die Veranstaltung kümmern. In Frankfurt trieb voriges Jahr ein falscher Weihnachtsmann sein Unwesen. Wie ein Schlangenbeschwörer in Marrakesch forderte er Geld für Fotos, und ging nicht minder aufdringlich vor. Zum Glück fehlt er dieses Mal. Der echte Weihnachtsmann hat sein Revier zurück. Leider verwenden die Frankfurter Verantwortlichen nach wie vor den orthographisch bedenklichen Namen „cityADVENT“. Bedauerlich finde ich, dass alle Märkte unserer Region vor Heiligabend schon wieder abgebaut werden. Manche von uns hätten auch am vierten Advent oder an den Feiertagen gern einen Anreiz zum Ausgehen, statt zu Hause alte Märchenfilme anzusehen. Auf einem Weihnachtsmarkt lässt sich die Kälte leichter ertragen. Glühwein wärmt uns die Hände, wenn wir ihn festhalten, die Bäuche, wenn wir ihn trinken, und die Hosen, wenn wir ihn verschütten.