Von Georg Langer
Hoffnung schimmert am Horizont. Die vorläufige Bundesregierung denkt über kostenlosen öffentlichen Nahverkehr nach. Obwohl das unter Zwang geschieht, weil die Europäische Union Deutschland aufgrund seiner rekordverdächtigen Luftverschmutzung mit Geldstrafen droht, bleibt es eine hervorragende Nachricht. Kritiker bemängeln natürlich, dass Vollzeitautofahrer dann mit ihren Steuern für Busse und Bahnen bezahlen müssten. Unsere Potsdamer Landesfürsten wehren sich bereits mit Händen und Füßen gegen den Vorschlag. Dabei wären Bußgelder und Fahrverbote vielleicht noch teurer. Öffentliche Verkehrsmittel wurden besonders in der Provinz zu lange vernachlässigt. Bei diesem Thema verstehen Staatsmänner mit Dienstwagen und Chauffeur nur Bahnhof. Doch mit der Liste der Vorteile könnte ich diese ganze Kolumne füllen. Viele meiner Bekannten sitzen täglich im Auto, weil Straßenbahnen oder Busse überteuert sind und viel zu selten fahren. Die meisten Orte in Brandenburg werden am Wochenende überhaupt nicht bedient. In Teilen Frankfurts schaut selbst zur Hauptverkehrszeit nur einmal pro Stunde ein Bus vorbei, und die Tramlinie nach Markendorf hat wegen Bauarbeiten ein Jahr Verspätung. Sobald die Hürde der hohen Preise fällt, wird die steigende Nachfrage die Verantwortlichen zwingen, ihren Sparwahn aufzugeben. Neue Fahrzeuge müssen gekauft und neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Hört sich schlimm an, ist aber gut für die Wirtschaft. Weniger Blechlawinen auf den Straßen bedeuten weniger Unfälle und Kranke. Nicht zuletzt kommt durch die Finanzierung des Projekts endlich einmal Geld aus der vollen Bundeskasse ohne Umweg in den Kommunen an.