Landesweite Aufmerksamkeit bescherte ein brutaler Überfall unserer Region voriges Jahr. Eine Schlägertruppe, die sich selbst als syrische Mafia betitelte, griff mit Messern, Eisenstangen und Allah-Gebrüll einen Frankfurter Nachtclub an. Oberbürgermeister René Wilke schaffte es kurz darauf ebenfalls in die überregionalen Medien. Sieben im Nachhinein inhaftierte Mitglieder der Bande wollte er ausweisen. Es folgte ein Streit darüber, ob Abschiebungen in ein Bürgerkriegsland vernünftig oder überhaupt möglich sind. Doch niemand bezweifelte Wilkes Behauptung, alle Sieben gehörten zu den Angreifern des Tanzschuppens und säßen bereits im Knast. Jetzt kam die Ablehnung für die erste Ausweisung, mit überraschender Begründung. Der Verdächtige gehörte weder zu der Messer- und Stangentruppe, noch hinter Gitter. Er verbüßt wegen eines anderen Vergehens eine Bewährungsstrafe. Nun ist unser Oberwilke in Erklärnot. Wenn schon beim ersten Prüffall der Falsche nach Syrien verfrachtet werden sollte, was ist dann mit den anderen Sechs? Stadtsprecher Uwe Meier verwies hastig auf die Unschuldsvermutung, was allerdings weitere Fragen aufwirft. Wäre es nicht sinnvoll, erst die Schuldfrage zu klären, bevor über Ausweisungen geredet wird? Wilke sagt jetzt, ausschlaggebend sei nicht, ob der Ausreisekandidat an dem Angriff auf den Club beteiligt war. Glaubt der Stadtchef wirklich, alle hätten vergessen, dass er genau das vor nicht zu langer Zeit als Grund angab? Alles früher Gesagte abzustreiten mag vielleicht für US-Präsident Trump funktionieren. Ein Lokalpolitiker sollte aber ab und zu Fehler eingestehen, auch öffentlich, statt Kritik mit: „habe ich nie gesagt“, oder „habe ich schon zigmal erklärt“ zu beantworten.