Die Formulierung „Ehe für alle“ gefällt mir nicht. Das hört sich an, als bestünde generelle Heiratspflicht. Deshalb sage ich lieber „freiwillige Ehe für alle erwachsenen Menschen“. Die meisten Länder, in denen ich gelebt habe, erkämpften sich dieses Recht vor Jahren, viele schon im vorigen Jahrhundert. Jetzt hat der Bundestag abgestimmt, ob wir den Schritt in die Moderne wagen. Sobald das angekündigt wurde, erhob das rechte Lager ein Geschrei. Wenn eine Frau eine Frau heiraten dürfe, dürfe sie bald auch ein dutzend Frauen, ein Haustier oder ein Möbelstück heiraten, brüllen manche. Kinder müssten mit einer Mutter und einem Vater aufwachsen, behaupten andere, ohne jegliche Beweise. „Ehe ist zwischen Mann und Frau, Punkt, aus“, lautet das wortgewandte Argument von Konservativen und Islamisten, die der Meinung sind, Ehe sollte ein geschützter Begriff sein, wie Fetakäse. Einziger Zweck des Heiratens sei die Fortpflanzung, meinen die ganz besonders Romantischen. Die Bibel würde Homosexualität verbieten, rufen ein paar echte oder angebliche Christen. Tatsächlich untersagt ein Buch des Alten Testaments Sex zwischen Männern. Außerdem verbietet es, Garnelen, Muscheln und Schweinefleisch zu essen. Wer diese Speiseregeln ignoriert, sollte sich nicht wegen gleichgeschlechtlicher Liebe ins Hemd machen. Beim Referendum in Irland stimmte die Mehrheit der streng gläubigen Katholiken für eine Legalisierung der Homoehe. Das sollte den Schwulenhassern, die sich auf Tradition, Kirche oder Koran berufen, zu denken geben. Wir verlangen von Zuwanderern, sich an freiheitliche westliche Werte anzupassen. Es wird Zeit, dass wir diese Werte selbst akzeptieren.