Mit Fremdwörtern klingen gewöhnliche Dinge exklusiver. Das weiß auch die Lebensmittelbranche. Rucola galt nicht als Feinschmeckerspezialität, als das Kraut noch Rauke hieß. Speck kostet mehr, wenn Bacon auf der Packung steht. Was als Schinken bei einem Billiganbieter - Verzeihung, bei einem Discounter - gekauft wird, verwandelt sich in Prosciutto, sobald es auf einer Pizza liegt. Eine in vielen Ländern gezüchtete Brassensorte kommt unter dem exotischen Namen Dorade für knapp zehn Euro pro Stück ins Gefrierfach. Das Würstchen, das sogar Nordamerikaner oft als Frankfurter bezeichnen, wurde hierzulande einheitlich zum Hot Dog. Das bedeutet heißer Hund, was hoffentlich nichts über die Zutaten aussagt. Burgerbuden behaupten gern auf Aushängeschildern, ihr Produkt bestehe zu hundert Prozent entweder aus Beef oder aus Chicken. Eventuell ist das ein Trick, ähnlich wie beim Seelachs, der bekanntlich kein Lachs ist, sondern ein Dorsch. Burger sorgen ohnehin für Verwirrung. Manche deutschen Werbefachleute glauben unbeirrt, mit dem Wort wäre die Semmel gemeint, nicht der platt gedrückte Klops in der Mitte. Ungeachtet der Wartezeiten sprechen Burgerhändler von Fast Food, Schnellfutter, und neuerdings von Streetfood, Straßenfutter, das eigenartigerweise noch teurer ist. Der verpönte Zucker tarnt sich als Fructose, Saccharose und Glucose. Fehlt nur noch, dass es der gute alte Pansen als Tripe beziehungsweise Rumina in die Delikatessenabteilung schafft. Und der Feinschmecker selbst nennt sich heutzutage Gourmet, Gourmand oder gar Foodie. Vielleicht sollten wir auf diesen Zug aufspringen, und unsere Zeitung in „The Oder Country Mirror“ umbenennen.