An Umwelt- und Naturschutz kommt heutzutage niemand vorbei. Es geht längst nicht mehr um Schwärmerei für hübsche Pflanzen und niedliche Tiere, sondern um das Überleben der Menschheit. Schließlich bildet unsere Primatenart einen Teil der Natur. Je akuter die Gefahr für unseren Fortbestand wird, um so stärker regt sich Widerstand gegen seinen Schutz. Teurerer Sprit führt zu gewalttätigen Protesten in Frankreich. Der bloße Gedanke an billigere oder gar kostenlose öffentliche Verkehrsmittel bringt Politiker in Brandenburg auf die Palme. Für sie genießt ein ausgeglichener Haushalt mit möglichst vielen Sparmaßnahmen und einer schwarzen oder roten Null selbstverständlich Vorrang. Da kann sich die Umwelt gefälligst hinten anstellen. Schulkinder, die aus Sorge um ihre Zukunft auf die Straße gehen, müssen sich von Erwachsenen belächeln oder beschimpfen lassen. Dabei wissen alle, die noch einigermaßen bei Trost sind, dass sich einiges ändern muss. Aber selbst das sprichwörtliche Kleinvieh produziert manchmal weniger Mist. Ein Anfang ließe sich beim Wahlkampf machen. Fast alle Parteien stellen derzeit ihre Plakate aus Polypropylen her. Dieser Kunststoff wird seinerseits aus Erdöl gemacht, einem nicht erneuerbaren und von weither importierten Rohstoff. Der Recyclinganteil von Polypropylen ist lachhaft gering. Dafür hält das Zeug jahrzehntelang, seine Rückstände in Erde und Wasser noch viel länger. Wer braucht eigentlich dermaßen langlebige Wahlplakate? Was stimmte denn mit Pappe nicht? Als alle Kandidaten ihre Gesichter und Sprüche darauf klebten, wurden sie dennoch gewählt. Auch Demokratie geht also nachhaltiger.