Frankfurt (Oder). Im ehemaligen Kleist-Theater wurden am vorigen Samstag die Tore geöffnet. Künstlerinnen und Künstler, Schülerinnen und Schüler wollten zeigen, was hier alles auf die Beine gestellt werden kann.

Von Hartmut Kelm
und Katja Gehring

„Ich bin überwältigt”, sagt Marianne Ramsay-Sonneck vom Club Real. Rund 150 Gäste kamen ihrer Meinung nach zum Tag des offenen Tors ins ehemalige Kleist-Theater. Maximal 50 hatte sie erwartet. Die Leute vom Club Real organisierten zusammen mit Verantwortlichen aus dem Kleist Forum ein Fest, um auf den arg vernachlässigten Ort aufmerksam zu machen.
Vor 16 Jahren wurde das Kleist-Theater abgewickelt. Die Wunde ist bei vielen noch nicht verheilt. „Ich habe hier tolle Stücke gesehen”, schwärmt Werner Kumnick. Er wohnt gleich um die Ecke in der Käthe-Kollwitz-Straße. Das Schauspiel „Jacke wie Hose” und den Schauspieler Karl Heinz Winter werde der Rentner  nicht vergessen. „Und jetzt zerfällt das ganze Areal”, bedauert Kumnick.
Nun hat Frankfurt (Oder) wieder ein Kleist-Theater. Zumindest für einen Tag. Über Monate fanden sich Künstlerinnen und Künstler, Schülerinnen und Schüler und viele andere ehrenamtlich zusammen, um den Gästen am Tag des offenen Tores das Ergebnis ihrer Arbeit zu präsentieren. Nachdem ein Handwerker die Tür zum Theatercafé unter starkem Beifall symbolträchtig öffnete, konnten die Besucherinnen und Besucher dort den ganzen Tag über den Heringstanz - aufgeführt von den Mitgliedern des Club Real - ansehen. Heringstanz deshalb, weil dieser Fisch seit dem Mittelalter ein Wahrzeichen der Stadt ist. Die Choreographie zum Tanz hatten sich Schülerinnen und Schüler der Klasse 4c der Erich-Kästner-Grundschule ausgedacht und in der schuleigenen Aula ausprobiert.
Die Viertklässler durften sich - als einzige Kinder - noch an anderen Stellen in die Vorbereitung und Durchführung vom Tag des offenen Tors einbringen. So sollten sie sich überlegen, wie das ehemalige Kleist-Theater wieder genutzt werden könnte. Vorgeschlagen wurden Kinderbauernhof, Speedhotel, Gemeinschaftsgarten, Ort für Liebespaare, Spiel- und Sportanlage oder Tanzschule.
Als Zeichen der Inbesitznahme des Geländes hissten Niklas Alt und Hendrik Lehmann mit Musikbegleitung die passenden Fahnen. Die hatten die Kinder selbst entworfen. „Auch den Fahnenmast haben wir aufgestellt”, erzählt Schülerin Wilhelmine Gehring. „Zusammen mit Georg und unserem Lehrer Herrn Hoffmann.” Das sei „total schwer gewesen”, so die Zehnjährige. Erst musste die Erde ausgehoben und das Loch dann mit Beton gefüllt werden. Und gerade sollte der Mast auch noch stehen. Die Besucherinnen und Besucher würdigten die Arbeit der Klasse 4c mit Applaus und Kopfstreicheln. Außerdem präsentierten sich die Schülerinnen an verschiedenen Ständen, wie Tretautofahren, Salatbar und Kräuterquiz. Gleich neben dem Informationspunkt platzierte sich Wilhelmine mit ihrem Stand, an dem sie unter den Gästen eine Umfrage machte. Sie wollte wissen, ob die sich von den Präsentationen angesprochen fühlten und gern eigene Ideen in die Belebung des einstigen Kleist-Theaters einbringen möchten. 21 Menschen füllten die ansprechend gestalteten Zettel aus. Aufgeschrieben wurden Vorschläge wie Tanz- oder Musikschule, Garten, Hotel, eine Begegnungsstätte für Jung und Alt, bezahlbare Wohnungen und auch die Wiederaufnahme des Spielbetriebs.
Letzteres wird wohl wegen des maroden Zustands von Gebäude und Gelände nicht zu realisieren sein. Das Folkstheater-Team hatte sich schon für den einen Tag des offenen Tors mit vielen Auflagen abzufinden. „Aber die Kooperation mit den städtischen Behörden war gut”, so Florian Vogel, künstlerischer Leiter bei der Messe und Veranstaltungs GmbH. Aus der städtischen Gesellschaft kam viel Manpower zum Gelingen des Projekts. „Es war super, großartig. Eine tolle Aktion”, schwärmt er. Florian Vogel war von der Resonanz: „Ich möchte fast sagen, dass über den Tag verteilt 500 Leute kamen”. Mit vielen von ihnen suchte er das  Gespräch. Sein Fazit: Vor allem an den Führungen bestand reges Interesse. Immer nur zu Neunt ging es durch das Bauensemble. Als Experte war unter anderem Architekt Hans Albeshausen dabei. Er plädiere dafür, dass nur das ehemalige Musikheim, in dem das Ensemble vom Kleist-Theater einst spielte, erhalten bleiben soll. Den Rest würde er zum Abriss frei geben.
Für den 16. September ist ein Workshop zur Zukunft des ehemaligen Kleist-Theaters geplant. Vielleicht nehmen daran auch Verantwortliche aus der Stadtverwaltung teil. Eine Einladung vom Folkstheater-Team zum Tag des offenen Tores hatten sowohl der Kultur-Beigeordnete der Stadt Markus Derling als Frankfurts Oberbürgermeister Dr. Martin Wilke aus Termingründen ausgeschlagen. Selbst in der Woche nach dem Event war es für das Redaktions-Team des „Der OderlandSpiegel” nicht möglich, von den beiden ein Statement zu dem Projekt zu erhalten.