Ostbrandenburg (eb/geh). An 20 Standorten in Brandenburg - darunter auch in Wellmitz - wurde kürzlich eine symbolische Wolfswache abgehalten.

Dem Aufruf des Bauernbundes folgte auch der Landtagsabgeordnete Andreas Gliese (CDU). Er ließ es sich nicht nehmen, durch persönliche Anwesenheit seine Unterstützung für die Anliegen von Ackerbauer und Viehhalter Frank Thumernicht und seinen Mitstreitern zu signalisieren. Gliese fordert die Landesregierung dazu auf, sich der Probleme mit dem Zuwachs der Wolfspopulation stärker bewusst zu werden und praxistaugliche Lösungen voranzubringen.
Brandenburg ist mit dem Inkrafttreten der ersten Wolfsverordnung bundesweit zwar vorangegangen, doch die fehlende Konsequenz, Flexibilität und Praktikabilität der Verordnung treibt viele Landwirte weiter um. Um gegen die - aus ihrer Sicht - Untätigkeit der Landesregierung bei immer größer werdenden Wolfsbeständen und für die Zukunft der Weidetierhaltung in Brandenburg zu protestieren, versammelten sich Bauern, Jäger und vor allem Wellmitzer und Ratzdorfer Dorfbewohner an einem gemeinsamen Mahnfeuer. Sie fordern, große Teile Brandenburgs zu wolfsfreien Zonen zu erklären und möchten mit ihrem Protest vor allem auch der Landbevölkerung gegenüber „Großstädtern und berufsmäßigen Naturschutzideologen“ eine Stimme geben, so drückt es Frank Thumernicht aus.
Der Bauernbund weist wiederholt auf die wachsenden Konflikte im Zusammenleben mit dem Wolf auf dem Land hin und fordert bereits seit fünf Jahren, die Zahl der Wölfe zu begrenzen. Längst seien auch nicht mehr nur Weidetierhalter betroffen, sondern auch die Landbevölkerung allgemein, die sich zunehmend auch ihrer Lebensqualität beraubt sehe, wenn sie auf den Spaziergang im Wald verzichtet.
„Lediglich auf Schadensersatz bei Rissen sowie auf die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen wie beispielsweise wolfssichere Zaunanlagen zu pochen, erschwert die besonders naturnahe und artgerechte Nutztierhaltung in unserem Land beziehungsweise macht sie zunehmend unwirtschaftlich und damit unmöglich“, gibt Andreas Gliese zu bedenken. Hier ließen sich nur geringe durchschnittliche Jahreseinkommen erzielen. Der CDU-Abgeordnete: „Insofern bedarf es endlich praxistauglicher Regelungen, um die Akzeptanz für den Wolf nicht überzustrapazieren und die Zukunft der Weidetierhaltung zu sichern. Es geht mir und den anderen nicht um Ausrottung, sondern um eine Regulierung des Wolfsbestandes“.
Gliese hat sich informiert: „Bereits heute leben nach aktuellem und lediglich offiziellem Kenntnisstand 21 Wolfsrudel sowie zwei Paare in Brandenburg, bei einer jährlichen Zuwachsrate von mehr als 30 Prozent. Die Zahl der dokumentierten Übergriffe und Risse durch den Wolf auf Weidetiere wächst trotz staatlich geförderter sowie von den Tierhaltern umgesetzter Präventionsmaßnahmen seit Jahren kontinuierlich. Diese Entwicklung macht es den Ländern zunehmend schwieriger, Präventionsleistungen und Ersatzzahlungen für Schäden durch Wölfe zu finanzieren und gegenüber der Öffentlichkeit zu rechtfertigen”. Daher plädiere Gliese für das Instrument der so genannten Schutzjagd. Im Rahmen einer jährlich festzulegenden Quote werde hier in Abhängigkeit der Populationsentwicklung bestimmt, wie viele Wölfe pro Jahr maximal erlegt werden dürfen. Die Details zur Umsetzung der Schutzjagd müssten klar, nachvollziehbar und praxistauglich formuliert werden.
Die Brandenburger Wolfsverordnung sieht in der bisherigen Fassung erst bei mindestens zwei Rissen einen Abschuss durch von der Fachbehörde für Naturschutz und Landschaftspflege befugte Personen und damit den Schutz der eigenen Nutztiere als legitim an und dies auch nur für den schuldigen Wolf. Bei einem Rudel bedeute es einen übermäßigen und somit praxisfernen Aufwand, den schuldigen Wolf zu ermitteln. Als weiteren Beleg für die Praxisferne der Wolfsverordnung nennt Gliese das Verbot von Vergrämung, Fang oder Tötung von Wölfen oder Hybriden im Allgemeinen und in Naturschutzgebieten wie dem Naturpark Unteres Odertal. Die Schäfer, die zu großen Teilen in diesen Gebieten unterwegs sind, würden ausgebremst. „Und das obwohl sie einen wertvollen Beitrag zur Pflege unserer Kulturlandschaft leisten und sich offiziell auch die Landesregierung auf die Fahnen geschrieben hatte, diese Art der Weidetierhaltung besser zu fördern“, moniert Andreas Gliese.
Der CDU-Politiker unterstützt auch das Anliegen der Demonstranten, sich für eine Überarbeitung und Anpassung des Artenschutzrechts sowohl auf Bundes- als auch auf europäischer Ebene einzusetzen und den strengen Schutzstatus des Wolfs im europäischen Naturschutzrecht zu lockern. Bereits im Mai vorigen Jahres stellte seine Fraktion einen Antrag im Landtag, der mit den Stimmen der Regierungsfraktionen zwar in den Umweltausschuss zur weiteren Behandlung überwiesen worden war, vor kurzem auch noch einmal im Landtag aufgegriffen wurde, aber nur unzureichend in einen Regierungsbeschluss überführt worden ist. Der CDU-Vorschlag setzt sich - neben der Anpassung des Artenschutzrechts - für ein Wolfsmanagement nach schwedischem Vorbild ein. Dies sei ausdrücklich auch mit europäischem Recht vereinbar. Andreas Gliese und seine Fraktion sehen die Wolfsverordnung ohne Schutzjagden als unzureichend und ungeeignet zur Fernhaltung von Wölfen aus Dörfern und Stadtzentren an. In Problemfällen seien langwierige und bürokratische Entscheidungen von Behörden abzuwarten. Stattdessen sollte in Abstimmung mit den Naturschutz- und Jagdbehörden eine Anzahl von Wölfen bestimmt werden, die pro Jahr im Zuge von Schutzjagden getötet werden darf. So wird es in Schweden oder Finnland erfolgreich praktiziert.