Eisenhüttenstadt (eb/geh). Bei der vom Betriebsrat von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt vor gut einer Woche kurzfristig einberufenen außerordentlichen Betriebsversammlung war auch der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Gliese.

„Es ist wichtig, dass wir nun alle zusammenstehen und ein Zeichen für das Werk und die Region setzen, alles in die Waagschale legen. Insofern ist es gut, dass auch Ministerpräsident Woidke da gewesen ist und die große Bedeutung und Leuchtturmfunktion des Werkes herausgestellt hat“, so Andreas Gliese.
Bei den Mitarbeitern sowie in der gesamten Region hat die Ankündigung für Unruhe gesorgt, in der Flachstahlsparte künftig auf nationale Länder- statt Regionscluster zu setzen. Eisenhüttenstadt soll eine Einheit mit Bremen bilden, wäre Niederlassung, aber keine eigenständige GmbH mit eigenem Geschäftsführer mehr. Die Verantwortung für beide deutschen Werke mit Flachstahlsparte hätte den ersten Plänen nach der aktuelle Bremer Geschäftsführer in Personalunion. Betriebsrat und Gewerkschaft laufen dagegen Sturm.  Außerdem beklagen viele die schlechte Kommunikation. Der Konflikt bestehe aber mit der Konzernleitung, nicht mit der Geschäftsführung, stellen sie klar. Eine Gefahr für die Existenz des Stahlproduktionsstandorts Eisenhüttenstadt versuchte Pierre Jacobs, Vorsitzender der Geschäftsführung zu entkräften.
„Ich teile die Sorge, dass sich die Umstrukturierung und Fusion mit Bremen für Eisenhüttenstadt nachteilig auswirken wird. Der Eisenhüttenstädter Standort steht gut und solide da, hat den Fokus vor allem Richtung Osteuropa. Ich habe Bauchschmerzen damit, diese gute Ausgangssituation zur Disposition zu stellen. Gegenüber dem großen Bremen darf Eisenhüttenstadt hier nicht das Nachsehen haben. ArcelorMittal Eisenhüttenstadt bildet den prägenden industriellen Kern für die gesamte Region und darüber hinaus. Das Werk war und ist Lebensgrundlage für die Stadt. So muss es bleiben und dafür müssen jetzt alle zusammenstehen. Unserem Werk und unserer Belegschaft in Eisenhüttenstadt wurde nie etwas geschenkt. Alles musste hart erkämpft werden“, verdeutlicht Andreas Gliese mit Nachdruck, der vor und nach der Veranstaltung auch das Gespräch mit einzelnen Mittalern suchte.
Gleich nach Bekanntwerden der Pläne hatte sich Eisenhüttenstadts Bürgermeister Frank Balzer zu Wort gemeldet: „Ich fürchte, dass dann unser integrierter Standort zur Disposition steht“, sagte Balzer, lange selbst an führender Position im Betriebsrat und Aufsichtsrat der ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH. Eisenhüttenstadt habe jahrelang gute Gewinne trotz geringer Investitionstätigkeiten erzielt, sei effizienter aufgestellt als das Stahlwerk in Bremen und die Auslastung in den Verarbeitungsstufen sehr gut. Das Werk hier biete nach Einschätzung des Bürgermeisters kurze Wege zu den Kunden und könne aufgrund einer gut gerüsteten Flüssiglinie schnell und flexibel auf Kundenwünsche reagieren. Eine gemeinsame GmbH unter dem Dach einer Deutschland GmbH berge zahlreiche Risiken, wenn Entscheidungsträger und Prozesse nicht mehr vor Ort sind. Balzer: „Natürlich würden auf dem Stahlsektor welt- und europaweit zukunftsweisende Technologien auch verlangen, dass man sich langfristig diesen Herausforderungen in der globalen Stahlproduktion stelle.“ Doch Eisenhüttenstadt biete hierfür grundsolide und gewachsene Strukturen und Voraussetzungen als ein top integrierter Standort.
An der Betriebsversammlung nahmen neben Gliese auch Landrat Rolf Lindemann, Bürgermeister Frank Balzer, Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke, Wirtschaftsminister Jörg Steinbach,   Geschäftsführer Pierre Jacobs und Arbeitsdirektor Axel Krause teil.