Frankfurt/Oder (gla). Ausgrabungen in der Großen Oderstraße brachten überraschende Funde zutage.

Im August 2018 ließ die Wohnungwirtschaft (WoWi) die Wohnhäuser in der Großen Oderstraße 25-28 abreißen. Dort soll ein Neubau entstehen, „der sich in den historischen Kontext einfügt“, erklärte WoWi-Chef Jan Eckardt diese Woche bei einer Pressekonferenz. Aufgrund der Lage des Grundstücks im alten Stadtkern gegenüber der Marienkirche wurde der für diesen Frühling geplante Abriss vorverlegt, um Archäologen genug Zeit für Ausgrabungen zu geben.
Nun präsentierten der Bauherr, die Stadtverwaltung und Ausgrabungsleiter Matthias Antkowiak einige Ergebnisse der Ausgrabungen. Die Archäologen fanden unter anderem schnurkeramische Scherben, Spuren eines 9.000 Jahre alten Schlagplatzes für Steinwerkzeuge, Gruben aus der Bronzezeit und slawische Feuerstellen. Offensichtlich war das Gelände seit der Steinzeit besiedelt. Eine besondere Entdeckung kommt aus dem Keller eines mittelalterlichen Hauses, das im sechzehnten Jahrhundert mit Müll gefüllt wurde. „Die Verfüllung des Kellers enthielt überraschenderweise sehr viel hochwertiges Material“, sagt Matthias Antkowiak. Dort lagen auch sechs Goldmünzen: fünf französische Ecu d’Or und ein Dukat aus Bologna mit der Prägung des Papstes Clemens VII. Antkowiak vermutet, das Geld war in ein Kleidungsstück eingenäht, das jemand aus Versehen wegwarf. Bis diesen Sonntag können die Münzen im Museum Viadrina besichtigt werden.
Außerdem stießen die Archäologen auf die Grundmauern und den Kellerfußboden des Hauses, in dem Heinrich von Kleist aufwuchs. Viele Ziegelsteine des Originalfußbodens sind noch erhalten. Einen davon übergab Jan Eckardt diese Woche symbolisch an Anette Handke vom Kleist-Museum. „Kleist hat uns viel Geistiges hinterlassen, aber wenig Materielles. Das ist für ein Museum sehr schwierig“, sagte Eckardt. Auch die anderen Ziegel gehen deshalb an das Kleist-Museum. Anette Handke bedankte sich dafür. „Was mit den Ziegeln passiert, können wir noch gar nicht sagen“, räumte sie ein.