Müncheberg (eb/geh). Die Augsburger Puppenkiste war vorige Woche zu Gast in Müncheberg.

Heulibold, Freudibold und Co. zum Anfassen nah: Acht Marionetten der Augsburger Puppenkiste gastierten in der Stadtpfarrkirche in Müncheberg. Ihr neues Stück „Paula kommt in die Schule“ ist Teil des gleichnamigen Präventionsprojekts, das 2018 in 33 Grundschulen und Horten in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern modellhaft erprobt worden ist. Die Müncheberger Kinder im Publikum kannten die Geschichte von Paula und ihren Freunden also schon aus dem Unterricht beziehungsweise dem Hort. Sie fördert das emotionale Lernen, damit Schülerinnen und Schüler besser mit ihren Gefühlen umgehen und in der Folge sich gut konzentrieren können. Gefühle waren dann auch unübersehbar mit im Spiel - spätestens als die Kinder nach der Aufführung Paula und ihre Freunde tatsächlich berühren durften. Hoch im Kurs standen vor allem die Kistenkobolde Zornibold, Heulibold, Bibberbold und Freudibold. Sie verkörpern Basisemotionen wie Zorn oder Angst. Im Präventionsprojekt ging es darüber hinaus auch um Gefühle wie Schuld, Neid, Scham oder Stolz. Ellen Martin, Papilio-Trainerin bei der überregionalen Suchtpräventionsfachstelle (ÜSPF) des Tannenhof Berlin-Brandenburg e.V. berichtet: „Diese Gefühle können Kinder verunsichern und verwirren. Sie reagieren dann unangemessen oder ihre Konzentration auf den Unterricht lässt nach.“ Mit dem Präventionsprojekt bekamen die Fach- und Lehrkräfte neben der Geschichte „Paula kommt in die Schule“ Maßnahmen an die Hand, wie sie die Kinder zum Beispiel darin unterstützen, mit Gefühlen umzugehen und den Übergang von der Kita in die Schule zu bewältigen. Neben den emotionalen werden im Rahmen des Präventionsprojekts auch die sozialen Kompetenzen erlernt und geübt. Kinder lernen zum Beispiel, in schwierigen Situationen nicht sofort impulsiv zu reagieren, sondern zu analysieren und miteinander mögliche Lösungen abzuwägen. „Insgesamt fördert das Projekt die altersgemäße Entwicklung, und das ist der beste Schutz gegen spätere Probleme wie Sucht und Gewalt“, schildert Dr. Charlotte Peter, Leiterin Wissenschaft und Entwicklung bei Papilio e.V., einem Augsburger Sozialunternehmen, das Präventionsprogramme entwickelt und verbreitet. „Wir warten nicht, bis die Probleme offensichtlich sind, sondern werden schon vorher aktiv, das ist viel zielführender“, so Dr. Peter.
Beim Präventionsprojekt „Paula kommt in die Schule“ wurde Papilio von Professor Dr. Herbert Scheithauer von der Freien Universität Berlin und der Knappschaft mit Sitz in Bochum unterstützt. Deren Pressereferentin Carmen Herold-Lacroix bestätigte die Notwendigkeit früher Prävention: „Als Krankenkasse gehört es zu unseren Aufgaben, uns um die Gesundheit zu kümmern und frühzeitig vorzusorgen, damit Kinder gesund aufwachsen.“
Ellen Martin vermittelte den Fach- und Lehrkräften an insgesamt vier Fortbildungstagen die Theorie zum entwicklungsorientierten Präventionsansatz sowie praktische Maßnahmen. Schon jetzt bestätigten Rückmeldungen aus Projekteinrichtungen, dass der Ansatz funktioniert und die Kinder dem Unterricht aufmerksamer folgen. Münchebergs Bürgermeisterin Dr. Uta Barkusky zeigte sich begeistert von dem Projekt.
Diese Präventionsmaßnahmen können in den ersten beiden Grundschuljahren und zum Teil auch darüber hinaus immer wieder genutzt werden. So wirken sie auch nachhaltig. Was „Paula kommt in die Schule“ genau gebracht hat, wird eine wissenschaftliche Auswertung ermitteln. Dafür haben Lehrkräfte Fragebögen ausgefüllt und wurden in einem Teil der Schulen Kinder befragt. Die Ergebnisse sind 2019 zu erwarten.
Auf www.papilio.de/grundschule gibt es nähere Informationen zu diesem Modellprojekt.