Frankfurt/Oder (gla). Die Grünen hatten zum Sommerempfang eingeladen.

Veranstaltungsort war das Verbündungshaus Fforst, ein Wohnprojekt deutscher und polnischer Studenten der Europa-Universität Viadrina. Das Motto des Abends lautete „Es gibt keinen Planeten B“.
Alena Karaschinski vom Frankfurter Kreisverband der Grünen begrüßte die Gäste. Sie dankte dem Team des Verbündungshauses und den Mitgliedern der Grünen Jugend, „die uns in vielen vielen Studen ein zauberhaftes Buffet im wahrsten Sinne des Wortes gezaubert haben“, so Karaschinski. Sie wies auf Unterschriftenlisten für die Rettung des Trinkwassers und für direkte Demokratie hin, die im Fforst auslagen. In ihrer Rede ging sie auf die Frage ein, ob die Grünen überhaupt noch gebraucht werden. „Wir geben denen eine Stimme, die keine haben: Pflanzen, Tieren, Kindern“, ware eine ihrer Antworten.
Die Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock sprach als nächste. Sie könne sich keinen besseren Ort für ihr Büro vorstellen als Frankfurt (Oder), sagte die aus Niedersachsen stammende Abgeordnete. Hier gäbe es die Vorzüge einer grenzüberschreitenden Buslinie, der Auen am Flussufer und vieles mehr, aber auch alle Herausforderungen. Bezeichnend fand sie es, dass die Oderstadt eine größere Grüne Jugend hat als Potsdam. Durch ihre Lage an der deutsch-polnischen Grenze läge Frankfurt mitten im Herzen Europas.
Clemens Rostock, Landesvorsitzender der Bündnisgrünen in Brandenburg, wies auf aktuelle Probleme der Region hin. Dazu zählt der gebürtige Eisenhüttenstädter die Gefahr, dass die Kosten der Trinkwasseraufbereitung um 45 Prozent steigen könnten, weil durch die Massentierhaltung zu viel Gülle ins Grundwasser gelangt. Landwirte seien eingequetscht zwischen Handel und Saatgutkonzernen. In Frankfurt stellen manche die Straßenbahn in Frage. Durch Stilllegung von Bahnhöfen und Buslinien werden ganze Dörfer abgekoppelt. Um diese Probleme lösen zu können, bräuchten die Grünen bei der Bundestagswahl besonders die Zweitstimme. Nach diesem Aufruf eröffnete Rostock das Buffet.
Während die Anwesenden aßen, tranken und miteinander ins Gespräch kamen, hatten sie auch die Gelegenheit, Fragen auf Papierblätter zu schreiben und an eine symbolische Sonnenblume an der Wand zu stecken. In der zweiten Runde des Abends wollten Annalena Baerbock und Clemens Rostock jeweils eine der Fragen ziehen und beantworten.
Als es so weit waren, steckten neun Fragen an der Sonnenblume. Annalena Baerbock zog die erste Frage, die mit dem unvollständigen Satz „Was gedenken Du/Sie mit öffentlichen Verunreinigungen?“ begann. Sie lief darauf hinaus, dass sich der Fragensteller eine soziale Stadtreinigung wünscht, eventuell ehrenamtlich betrieben. Die Abgeordnete hielt das für keine gute Idee, wolle sich aber für eine bessere Finanzierung der professionellen Stadtreinigung einsetzen.
Annalena Baerbock zog noch eine zweite Frage. Sie lautete: „Was halten Sie von einem bedinungslosen Grundeinkommen?“ Baerbock äußerte sich kritisch über die Kampagne, die zu diesem Thema geführt wird. Es seien einige Akteure dabei, die eine Rolle rückwärts wollen. Wenn eine bestimmte Summe bedingungslos festgelegt würde, bekämen Menschen, die aufgrund Behinderung oder ähnlichem mehr benötigen, nicht mehr genug Zuwendung. Clemens Rostock sagte zur selben Frage: „Ich glaube, es steckt eine Chance drin, wenn andere Zuwendungen nicht wegfallen“. Dann zog er die Frage: „Was würdet ihr als erstes machen wenn ihr Bundeskanzler wärt?“ Rostock sprach sich vor allem für eine grundsätzliche Wende im Mobilitätsbereich aus. Dort sei in den letzten Jahren gar nichts passiert. Baerbock nannte den Klimaschutz, die Landwirtschaft, und die Abschaffung des Bildungsföderalismus. Der Bund müsse massiv einsteigen, um die Missstände in der Bildung zu beheben.