Frankfurt/Oder (geh). Eine 50-Kilogramm-Bombe (Foto) deutscher Herkunft mit russischem Zünder aus dem Zweiten Weltkrieg wurde vorigen Dienstag gegen 14 Uhr in Höhe des Karl-Marx-Denkmals im Stadtzentrum an der Überführung unterhalb des Schöpferdenkmals im Lennépark gefunden. Sie ist im Zusammenhang mit Bauarbeiten entdeckt worden. Nach Begutachtung durch den Munitionsbergungsdienst vor Ort hat der Einsatzstab der Stadt entschieden, die Entschärfung der Bombe unverzüglich vorzunehmen. Das machte die Einrichtung eines Sperrkreises von rund 500 Metern und Evakuierungen notwendig. Ab 18.30 Uhr waren Einsatzkräfte - unter anderem mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr - unterwegs, um etwa 350 Gebäude, insbesondere Wohnhäuser zu räumen. Die betroffenen Bürgerinnen und Bürger wurden mit Bussen zur Brandenburghalle gefahren, wo sie für mehrere Stunden ausharren mussten.

„So eine Aufregung”, sagte eine Seniorin, als sie gegen 21 Uhr aus dem Bus stieg. Hilfskräfte zeigten ihr den Weg in die Brandenburghalle, erklärten, wo es Toiletten und Kaffee gibt. Wie der alten Dame erging es mehreren hundert Menschen, darunter auch viele Kinder.
Tarya zum Beispiel. Als sie um 19.30 Uhr mit ihrer Mama nach Hause kam, standen die Feuerwehrleute schon vorm Haus und benachrichtigten die Bewohner. Es blieb gerade noch Zeit, einen Pullover aus der Wohnung zu holen. Ihre Kuscheltiere musste Tarya zurücklassen.
In der Brandenburghalle traf das Mädchen Kumpel Hardy und dessen Hund Spike. Der Junge wohnt im gleichen Haus, die Mütter der beiden sind befreundet. Die Kinder fanden die Aktion spannend. Unbeschwert tobten sie durch die Halle.
Die Erwachsenen sahen die Evakuierung kritischer. Kann die Bombe entschärft werden? Geht es heute noch zurück in die Wohnungen? Alles Fragen, die im Raum standen. Besonders die älteren Menschen machten sich Sorgen. Sie prangerten an, dass ihnen niemand etwas sagt. Keiner war da, der Informationen für sie hatte. Die Evakuierten saßen stundenlang auf den unbequemen Stühlen, Matten zum Hinlegen gab es nicht. Für Tarya war das optimal: Wenig Schlaf bedeutete keine Schule am nächsten Tag.
Gegen 0.30 Uhr kam für die Betroffenen die Entwarnung. Die Bombe war entschärft, der Zünder gesprengt. Alles ist gutgegangen. Mit Bussen wurden sie wieder nach Hause gebracht. Kurz nach halb zwei konnte sich dann auch Tarya in ihr Bett kuscheln.