Frankfurt/Oder (gla). In den Räumen der Volkssolidarität wurde die 25. Brandenburgische Seniorenwoche eröffnet.

Ungefähr achtzig Gäste nahmen an der Veranstaltung teil. Darunter befanden sich auch zwei Fraktionsvorsitzende der Stadtverordneten, Wolfgang Mücke von der FDP und Wilko Möller von der AfD, sowie Oberbürgermeister René Wilke, der aus Versehen als Martin Wilke begrüßt wurde. „Ich muss mich entschuldigen. Wie bin ich denn auf Martin gekommen?“ sagte der Vorsitzende des Seniorenbeirats Dr. Frank Mende. In seinem Vortrag befasste sich Mende mit dem negativen Image seines Heimatorts. So habe Frankfurt bei einer Umfrage über die Lebensqualität in 400 Städten besonders schlecht in den Kategorien Arbeit, Wohnen, Gesundheit und Sicherheit abgeschlossen. Ob diese Ergebnisse stimmen, bezweifelte Mende: „Man kann eigentlich mit jedem Geldbeutel in der Innenstadt wohnen“. Das sei in vielen Städten nicht der Fall.
Dennoch hält der Beiratsvorsitzende die Situation älterer Menschen in Frankfurt für verbesserungswürdig. Die Beteiligung des Seniorenbeirats bei Fragen der Stadtverwaltung und -Entwicklung sei durchaus noch ausbaufähig. Auch habe die Stadt keinen Seniorenbeauftragten. Aus seiner 24-jährigen Erfahrung in der Stadtverordnetenversammlung weiß Mende, dass Probleme älterer Menschen dort eine relativ geringe Rolle spielen.
Als konkrete Verbesserung fordert Mende mehr seniorengerechten Wohnraum. „Wir wissen, dass wir in der Vergangenheit viele Häuser abgerissen haben, die Fahrstühle hatten“, kritisiert er. Für den Stadtteil West wünscht sich Mende eine Begegnungsstätte. Auch das Sicherheitsempfinden von Senioren dürfe nicht vernachlässigt werden: „Wir müssen mehr Prävention leisten, damit ältere Menschen sicher leben können in dieser Stadt“.
Mende äußerte Verständnis dafür, dass Barrierefreiheit für alle Straßenbahnhaltestellen eine größere Aufgabe ist, die Stück für Stück geschafft werden muss. Dagegen müsse sich an der ärztlichen Versorgung dringend etwas ändern. Wartezeiten von mehreren Monaten auf Termine beim Augenarzt, beim Hautarzt und anderen Spezialisten sind zu lang.
René Wilke schließt die Ernennung eines separaten Seniorenbeauftragten aus, da das ein Rückschritt wäre. Bezüglich seniorengerechtem Wohnen stimmte er allerdings zu. „Ich habe entschieden, das wir mit dem Abriss nicht weiter fortfahren“, verkündete der Oberbürgermeister. Nur noch die bereits beschlossenen Rückbaumaßnahmen sollen durchgeführt werden. Auch wolle er mehr für die Entwicklung der Stadt- und Ortsteile tun, die zugunsten der Innenstadt vernachlässigt wurden, angefangen mit dem Stadtteil Süd. Es gäbe bereits Pläne für einen Einzelhandelsmarkt in Markendorf. Den seit Dezember 2017 gültigen und viel kritisierten neuen Nahverkehrsplan hält Wilke für „gut gedacht“, versprach aber „Nachsteuerung, Evaluierung und Neukonzipierung“. Auch sei er in Gesprächen mit Ärzten und der kassenärtzlichen Vereinigung über neue Ansiedlungen. Das gestalte sich trotz der 40.000 Euro Prämie für Praxiseröffnungen als schwierig. Wilke hofft, dass Krankenkassen so genannte Klinikzentren gründen. Das käme einer Rückkehr der Polikliniken aus Sozialismuszeiten gleich, „so wie manches in der Vergangenheit auch nicht nur falsch war, was da gemacht wurde“. In den Bereichen Ordnung und Sicherheit habe die Stadt nur „zwanzig Prozent der Mittel, die wir bräuchten, um das Notwendigste zu machen“.
Wilke hofft, die finanziellen Probleme durch steigende Einwohnerzahlen und damit verbundene höhere Einnahmen zu verbessern. Er vermied, den Senioren zu viel Hoffnung zu machen. Priorität habe für ihn, „dass unsere Kinder in Frankfurt (Oder) gut aufwachsen können“. Bei den Schulen gäbe es einen Reparaturstau von neunzig Millionen Euro. Es würde dreieinhalb Oberbürgermeisteramtsperioden dauern, das abzubauen. Außerdem wolle er „Spielplätze halbwegs in Ordnung bringen“.
Zum Abschluss der Veranstaltung zeichnete Dr. Frank Mende die Senioren Karl-Heinz Moldenhauer, Ralf Lustig, Eva Gütschow, Heidi Zeidler, Marlies Bierwagen, Manfred Krone, Gisela Kaul, Rita Altmann, Kazimiera Chrzanowska, Irena Baranowska, Danuta Siembida und Teresa Tyc für besonderes Engagement aus.