Frankfurt/Oder (gla). Beim Landgericht wird seit Mai die elektronische Akte verwendet.

Brandenburgs Justizminister Stefan Ludwig besuchte das Frankfurter Gerichtsgebäude, um sich über das Pilotprojekt zu informieren. Es ist das erste Mal, dass elektronische Akten außerhalb Bayerns zum Einsatz kommen. Beim Rundgang durch das Gebäude ließ sich Ludwig die Vorteile der Neuerung erklären. So können zum Beispiel Verkehrsunfälle mithilfe eines Projektors anschaulicher dargestellt werden. Weiterhin ermöglicht das neue System Richtern und Beisitzern gleichzeitigen Zugang zur Akte.
Die bisherigen Produkte können in das neue System eingebunden werden. Seine Portale gestatten juristische Recherchen. Der Versand der Akten erfolgt ausschließlich über das sichere Landesverwaltungsnetz. Seit März scannen Mitarbeiter der Wachtmeisterei Papierakten ein. Die größte bisher gescannte Akte umfasst sieben Bände. Nach dem Scanvorgang wird geprüft, ob Bild- und Textmaterial übereinstimmen. Anschließend wird das Dokument mit einer elektronischen Signatur gekennzeichnet, um zweifelsfrei beweisen zu können, dass es genau übertragen wurde. Die Wachtmeisterei verhindert unbefugten Zugang.
„Das wird noch ein Berg Arbeit“, sagte Ludwig, „aber wir sehen uns da auch ein Stück in der Pflicht“. Für die Mitarbeiter des Gerichts bedeute die Umstellung auch eine körperliche Erleichterung, denn besonders im Strafrecht erreichten die mit Riemen zusammengebundenen Aktenbände ein beträchtliches Gewicht. Nun komme es darauf an, neue Aufgagen für die Menschen zu finden, die bisher Aktenwagen herumfuhren, und für ausreichend Steckdosen in den Räumlichkeiten zu sorgen. Bis 2016 sollen im Land Brandenburg alle Gerichtsakten digitalisiert werden, erklärte der Minister und lobte Frankfurts Vorreiterrolle.