Groß Lindow (gla). Dutzende Dorfbewohner protestierten gegen den Zustand der Lindenstraße.

Als Zeichen des friedlichen Widerstands stellten die Lindower ihre Autos auf dem Asphalt ab. So schreibt es die Straßenverkehrsordnung eigentlich vor. Wer ganz oder teilweise auf dem Grün neben der Fahrbahn parkt, riskiert einen Strafzettel.
Ergebnis der vorschriftsmäßigen Parkaktion war, dass Personenwagen nur noch in eine Richtung und manche Lastwagen gar nicht mehr durchkamen. Bei beidseitig geparkten Autos blieb einfach nicht genug Fahrbahn übrig.
Das ist nur eines der Probleme der L373, die unter dem Namen Lindenstraße durch Groß Lindow führt. Die Anwohner beklagen vor allem die holprige Fahrbahn, die Schäden an Autos und Zweirädern verursacht. Die Straße wurde 1850 gebaut, erklärte ein Einwohner. Seitdem gab es nur zwei Reparaturen, bei denen etwas Teer auf die schlimmsten Schlaglöcher gekleckert wurde. Obgleich die Lindenstraße zurzeit keine offizielle Umleitung ist, zeigen Navigationsgeräte sie als schnellste Verbindung an. Infolgedessen rollt ständig eine Blechlawine durch das Dorf. Die von schweren Lastkraftwagen verursachten Erschütterungen sind in allen Gebäuden an der Lindenstraße zu spüren. Viele Fundamente, Ausfahrten und eine Brücke, die ursprünglich auf 5,2 Tonnen begrenzt war, weisen bereits sichtbare Risse auf. Auch die Lärmbelästigung sei unerträglich, kritisieren die Anwohner. Deshalb fordern sie eine Sanierung der Straße, eine Begrenzung auf 7,5 Tonnen pro Lastwagen, oder Tempo 30 wie in Ziltendorf und Vogelsang. Bei letzterer Forderung beteuerte Amtsdirektor Danny Busse, dass nicht er sondern der Landesbetrieb Straßenwesen zuständig wäre.
Einige der Demonstranten stellten Danny Busse zur Rede, weil er in ihren Augen nicht genug unternehme, um ihnen zu helfen. „Die Leute werden immer wieder vertröstet“, sagte Gerhard Kunzke, dessen Malerbetrieb an der Lindenstraße steht. „Die Emotionen kochen.“ Versprechen des Amtsdirektors und des Landtagsabgeordneten Andreas Gliese während der Protestaktion, sich für Groß Lindow einzusetzen, reichten vielen der Anwohner nicht. „Es wird alles im Sande verlaufen“, befürchtete Kunzke.
Bürgermeister Björn Brinkmann gab sich optimistischer. „Lasst uns dran bleiben“, ermutigte er seine Mitbürger, „wir erreichen nichts von heute auf morgen. Die Gemeindeverwaltung steht hinter Ihnen“. Ein Lastkraftwagenfahrer, der sich zu den Demonstranten gesellte, bezeichnete die L373 als Brandenburger Schande. Er warf Danny Busse vor, schon im September 2014 versprochen zu haben, diese Straße zu verbessern. Der Amtsdirektor bestritt das und erinnerte daran, dass die L373 dem Land gehöre.
Während des Hochwassers von 1997 befuhren viele der Hilfstransporte die Landstraße. Damals hofften die Lindower bereits auf Ausbesserungen, bisher vergeblich. Inzwischen gibt es Gerüchte, das Ministerium wolle die Landstraße loswerden, aber niemand würde sie im derzeitigen Zustand kaufen. Die L373 gehört zum so genannten Grünen Netz, im Volksmund zynisch als „Verfallsnetz“ bezeichnet. Dort lohne sich die Investition von Steuergeldern nach Ansicht der Landesregierung nicht. Investitionen mit Fördergeldern des Bundes lehnt Potsdam wahrscheinlich wegen des erforderlichen Eigenanteils ab, vermutete Andreas Gliese.
Unterdessen kochten auch bei den Verkehrsteilnehmern, die auf der L373 durch das Dorf fahren wollten, die Emotionen. Ein aus Richtung Müllrose kommender Laster verursachte einen Stau, da er für die beiderseits beparkte Straße zu breit war. Ein Zweiter, der aus der Gegenrichtung kam, beschädigte beim Wenden eine Gartenhecke, streifte ein geparktes Fahrzeug und beging Fahrerflucht, wurde dabei aber fotografiert. Ein Personenwagen raste, sobald sich eine Lücke öffnete, mit Vollgas an der Menschenmenge vorbei. Teilnehmer der Demonstration erkannten den Wagen. Er gehörte einem Ziltendorfer Unternehmer. Ob gegen die Fahrer Anzeige erstattet wird, stand zum Zeitpunkt der Demonstration noch nicht fest.