Lebus (gla). Seit Mittwoch erinnert ein Gedenkstein an das Zugunglück von 1977.

„Vor 41 Jahren ist an dieser Stelle ein schreckliches Eisenbahnunglück geschehen“, sagte Günter Fehling, Vorsitzender des Heimatvereins Lebus vor den über fünfzig Anwesenden bei der Einweihung. „Heute erinnert nichts mehr daran. Der Bahnhof ist weg, die Gleise sind weg, die Zeitzeugen werden immer weniger.“ Umso wichtiger sei es, die Tragödie nicht zu vergessen. Der Gedenkstein aus Granit ist nicht nur den Opfer gewidmet, sondern auch den zahlreichen Helfern, die Verletzte aus den Trümmern der kollidierten Züge bargen. Er steht an der Kreuzung der Straßen Am Bahnhof und Seelower Straße, in der Nähe des Löschteichs.
Am 27. Juni 1977 stießen am Lebuser Bahnhof ein von einer 132 200 Diesellok gezogener Güterzug und der Urlaubszug D 1918 mit einer Dampflokomotive 03 0078 frontal aufeinander. Beide Züge waren auf der Strecke zwischen Frankfurt (Oder) und Küstrin unterwegs.
„Menschliches Versagen und technische Unzulänglichkeiten kamen auf fatale Weise zusammen“, erklärte Ortschronist Manfred Hunger. 29 Menschen fanden den Tod, darunter der Lokführer und Heizer der Dampflok und der Begleiter der Diesellok, deren Lokführer sich durch einen Sprung vom fahrenden Zug retten konnte. Hunger erinnerte an einige Einzelschicksale des Unglücks, zum Beispiel ein zehnjähriges Kind und ein junges Ehepaar auf Hochzeitsreise.
Der Fehler eines übermüdeten Weichenwärters, der bereits seit zwölf Stunden im Dienst war, verursachte das Unglück. Er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Allerdings spielte auch die mangelnde technische Sicherung des Bahnhofs eine Rolle. Die Regierung hatte der Deutschen Reichsbahn  dafür nicht ausreichend Mittel und Material zur Verfügung gestellt. „Gelder, die die DDR dafür nicht ausgeben wollte“, beklagte Bürgermeister Peter Heinl. „Wir können nur hoffen, dass nicht aufgrund finanzieller Engpässe bei der Bahn auf die modernste Technik verzichtet wird“, bemerkte Heinl besorgt. Die Bahn, die keinen offiziellen Vertreter zur Enthüllung des Gedenksteins schickte, aber das Gelände zur Verfügung stellte und sich an den Kosten beteiligte, hatte die gesamte Strecke von Küstrin nach Frankfurt (Oder) im Jahr 2000 als unwirtschaftlich stillgelegt. Der Lebuser Bahnhof und sogar die Gleise wurden abgerissen.