Groß Lindow (eb/geh). Zum Bürgerstammtisch luden der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Gliese und Bürgermeister Björn Brinkmann nach Groß Lindow ein.

Der Versammlungsraum im Gasthof „Zum Kühlen Strande“ im Ortsteil Weißenspring war voll besetzt, die Veranstaltung sehr gut angenommen. Gekommen waren neben Gemeindevertretern und Mitgliedern der Interessengemeinschaft Groß Lindow vor allem die örtlichen Handwerker, darunter nicht wenige, die auch die Interessengemeinschaft vertreten.
Auf Wunsch der Anwesenden kamen der Landtagsabgeordnete und der Bürgermeister bereits zu Beginn sofort zum Hauptthema des Abends: Die dringende Sanierung der Ortsdurchfahrt L373 mit Brücke in Groß Lindow. Eine emotionale Diskussion folgte bei Eisbein und Schnitzel.
„Das Trauerspiel L373 wird auch in diesem Jahr nicht abgeschlossen werden“, begann Andreas Gliese. Er berichtete von seinen letzten Vorstößen gegenüber dem Verkehrsministerium und dem aktuellen Stand seiner Bemühungen. Eine Kleine Anfrage zur Sanierung der Landesstraße L373 in Groß Lindow wurde verfasst und mit den Anwesenden besprochen. Der Hinweis des Bürgermeisters hinsichtlich der Messstellen zur Verkehrszählung wurde aufgenommen. Im Januar werden die Antworten vom Ministerium auf die Kleine Anfrage erwartet. „Dann muss die Regierung auch Farbe bekennen, ob und wann die Sanierung geplant ist und die Ausgaben im Doppelhaushalt der Landesregierung Berücksichtigung finden“, so Andreas Gliese.
Er erinnerte daran, dass er erst durch die Interessengemeinschaft und den Bürgermeister von der Existenz des Brückenprüfberichts erfuhr und die Interessengemeinschaft die Einsicht in jenes Gutachten erst mittels eines Anwalts gegenüber dem Landesbetrieb Straßenwesen erstreiten konnte. Der Kanalbrücke von 1860 wurde hier die Notwendigkeit einer „Grundinstandsetzung des Mauerwerks und eine Verstärkung des Überbaus durch eine lastverteilende Stahlbetonplatte“ bescheinigt. Stand- und Verkehrssicherheit des Bauwerks seien beeinträchtigt und daher nicht mehr voll gegeben. Die Brücke von 1860 ist nur ein - wenn auch großes - Sandkorn im Getriebe, auch der Rest der Ortsdurchfahrt ist größtenteils in einem erbärmlichen Zustand. Dieser Einschätzung schließt sich Bürgermeister Björn Brinkmann an. Durch den Fokus auf die marode Kanalbrücke als besonderen Schwachpunkt im Ort hoffen er und die Mitstreiter der Interessengemeinschaft, zusätzlich Handlungsdruck im Sinne einer baldigen Sanierung der Ortsdurchfahrt aufzubauen. Björn Brinkmann setzt die Arbeit seines Vorgängers im Amt fort und strebt unmittelbar seit seinem Amtsantritt im Juni letzten Jahres an, dass das Projekt Straßensanierung endlich in Gang kommt. „Die Straße ist ein Schandfleck im Kreis, hier darf sich das Land als Baulastträger nicht länger aus seiner Verantwortung stehlen und das Projekt auf die lange Bank schieben. Billiger wird es dadurch auch nicht. Der Zeitplan im Gutachten sieht hier auch keinen großen Spielraum mehr für die Regierung vor. Es ist Zeit, endlich zu handeln“, rief Björn Brinkmann auf.
Alle Anwesenden kämpfen gemeinsam dafür, dass das Land seine Hausaufgaben macht und die seit Jahren vernachlässigte Landesstraße bald vollumfänglich saniert. Vor allem der stetig steigende Durchgangsverkehr - oft mit Schwerlasttransportern - setzt Straße und Brücke immer weiter zu.
„Leider ist die Infrastruktur  nicht von hoher Priorität für Rot-Rot. Die Mehraufwendungen dafür sind nicht in der Größenordnung ausgefallen, wie ich mir das gewünscht hätte und wir es brauchen würden“, kritisierte Andreas Gliese die Haushaltspläne der Landesregierung. Er sagte zu, die Antworten auf seine Kleine Anfrage dem Bürgermeister sowie allen Interessenten zukommen zu lassen und er versprach, dass sich alle Akteure im Anschluss darüber austauschen und die nächsten Schritte besprechen werden.
Weitere Sachfragen neben der L373 wurden ebenfalls in der großen Runde besprochen. So waren auch die Versäumnisse in der Asylpolitik und die schlechte Hausarztversorgung Thema. Der Bürgermeister wurde erst in der vergangenen Woche wieder auf die Hausarztproblematik angesprochen. „Es ist leider sehr schwer, eine ausreichende Versorgung sicherzustellen, gerade auch für die Anwohner, die nicht mehr mobil genug sind, die Praxen im Umland aufzusuchen. Für mehr Hausbesuche zur Kompensation fehlt vielen niedergelassenen Ärzten die Zeit. In die ehemalige, seit Jahren leer stehende Arztpraxis im Ort kommt nun eine Physiotherapie. „Immerhin auch ein wichtiges Angebot für unsere Bürger”, so Björn Brinkmann. Die Kassenärztliche Vereinigung halte an ihren Vorgaben zur Zulassung fest und meint, es gebe genügend Ärzte im Umkreis. Als Zukunftsprojekt schlug der Bürgermeister eine fahrende Arztpraxis für ländliche Gebiete vor.
Mit bitterem Zynismus hieß es nach dem reichhaltigen Essen von Bürgerseite mit Blick auf die marode Infrastruktur, es müsse doch nun aufgepasst werden, die Brücke beim Heimweg nicht zum Einstürzen zu bringen. Der Saal lachte herzhaft trotz oder gerade wegen des tief sitzenden Frusts bei Anwohnern und Bürgermeister. Die Diskussionsrunde ging trotz Aufregerthemen ruhig und gemütlich zu Ende. Die Weihnachtszeit hielt bereits Einzug und besänftigte die Gemüter.