Ostbrandenburg (eb/geh). Für eine Mittelfreigabe zur Sanierung der Ortsdurchfahrt Groß Lindow aus dem Doppelhaushalt kämpft derzeit der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Gliese.

Fälle wie zuletzt der Brückeneinsturz in Genua mit 43 Todesopfern haben für das Thema Brückensicherheit noch einmal zusätzlich sensibilisiert. Schon zuvor und wiederholt ist der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Gliese an die Brandenburger Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) herangetreten wegen der Landesstraße 373, genauer gesagt der Sanierung der Ortsdurchfahrt in Groß Lindow. Ein besonderer Knackpunkt dabei ist die marode Kanalbrücke, die bereits seit längerem nur noch einseitig für den Verkehr freigegeben ist.
Um sie von dem schlechten Zustand der Straße und Brücke sowie der Dringlichkeit der Sanierungsmaßnahme zu überzeugen, lud er die Ministerin bereits zu einem Vor-Ort-Termin mit Bürgermeister, Gemeindevertretern und Landesbetrieb Straßenwesen im Juli 2017 ein. In großer Sorge wegen der Stand- und Verkehrssicherheit der Brücke ist auch die Interessengemeinschaft Groß Lindow. Über einen Anwalt hat sie sich nun gegenüber dem Landesbetrieb Straßenwesen die Einsicht in ein Brückengutachten aus 2016 erstritten. Es untermauert die Forderung der Anwohner und des Wahlkreisabgeordneten Andreas Gliese nach einer dringenden Bereitstellung finanzieller Mittel für die Sanierung der Ortsdurchfahrt. Gerade auch mit Blick auf die Verabschiedung des Doppelhaushalts 2019/20 im November kämpft der Abgeordnete dafür.
„Mangel bestätigt“ findet sich als Halbsatz mehrfach in der Schadensbeschreibung des Prüfgutachtens wieder. Bei der Brücke über den Brieskower Kanal handelt es sich um eine Gewölbebrücke ohne Aufbeton aus dem Jahr 1860. Das vorliegende Brückengutachten eines Berliner Ingenieurbüros ist datiert auf den 2. August 2016 und bezieht sich auf die örtliche Prüfung am 17. November 2015. Die Prüfergebnisse bescheinigen die Notwendigkeit einer „Grundinstandsetzung des Mauerwerks und eine Verstärkung des Überbaus durch eine lastverteilende Stahlbetonplatte“. Die Prüfer gaben vor mittlerweile bald drei Jahren noch eine Zustandsnote von 3,4. Die Instandsetzung der Brücke wird für das Jahr 2020 angesetzt. Stand- und Verkehrssicherheit des Bauwerks sind laut Gutachten beeinträchtigt. Eine Nutzungseinschränkung wird umgehend empfohlen, die Schadensbeseitigung ist kurzfristig erforderlich. Die Verkehrssicherheit ist nicht mehr voll gegeben, eine Schadensbeseitigung ist hier ebenfalls kurzfristig erforderlich. Eine Schadensausbreitung sowie Folgeschädigungen sind zu erwarten, heißt es nüchtern im Gutachten. Schäden bei Wandung, Kämpfer, Absturzsicherung, Ankerkopf und sonstigen Stützungskörpern sind schriftlich wie auch bildlich im Bericht dokumentiert.
„Wenn die Regierung die Handlungsvorgaben aus dem Gutachten noch erfüllen will, muss sie endlich tätig werden, die entsprechenden Mittel in Kürze bereitstellen und mit den Planungen für das Sanierungsvorhaben Straße und Brücke in Groß Lindow beginnen. Wir befinden uns schon jetzt im zeitlichen Verzug. Jeder Investitionsstau wirkt wie ein Bremsklotz bei der weiteren Entwicklung unserer Region. Wir spielen hier mit unserer Zukunft“, appelliert Andreas Gliese an die Landesregierung. In der Vergangenheit hatten sowohl Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke (SPD) als auch Finanzminister Christian Görke (Die Linke) angekündigt, die durch Absage der Kreisreform frei werdenden Mittel von mehr als 400 Millionen Euro zu großen Teilen in die Erneuerung der Infrastruktur zu stecken und noch weitere Mittel bereitzustellen. Insbesondere berlinferne und ländliche Regionen sollten davon profitieren.
„In der Sanierung der L373 sehe ich persönlich den Prototyp der eigenen Maßstäbe, die die Regierung sich selbst bei der Mittelvergabe auferlegt hat. Wenn sie sich an eigene Grundsätze halten will, welches Verkehrsprojekt sollte hier besser geeignet sein als die Ortsdurchfahrt in Groß Lindow? Der Zustand der Brücke - offen gelegt durch das Gutachten - ist ein weiteres sehr gewichtiges Argument, hier endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Eine alte Beschilderung aus den 30er Jahren sah bereits eine Maximalbelastbarkeit der Brücke nur bis 5,5 Tonnen vor. Schauen Sie sich an, was da heute lang fährt, weit mehr als 5,5 Tonnen - insbesondere bei Umleitungsverkehr im Zuge anderer Bauvorhaben. Für diese Übernutzung sind weder Brücke noch Straße ausgelegt, ihr Zustand verschlechtert sich stetig. Bis zum Baubeginn kann derzeit nur mittels Begrenzung von Tragkraft und Geschwindigkeit reagiert werden“, so Gliese.
Bis Ende 2018 möchte außerdem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) einen neuen weiterentwickelten Prüfungsindex für Brücken vorlegen. Dass künftig die Tragfähigkeit oder Bauwerkssituation Vorrang haben solle bei der Beurteilung gegenüber geringeren Schäden wie kleiner Schlaglöcher oder fehlender Sprossen an Geländern, begrüßt Andreas Gliese ausdrücklich. Womöglich wäre die Gesamtprüfnote unter diesen neuen Gesichtspunkten in Groß Lindow noch deutlich schlechter ausgefallen, folgert er. Der Abgeordnete erinnert noch einmal daran, dass nach Artikel 44 der Brandenburger Landesverfassung das Land in der Pflicht ist, gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen und zu erhalten: „Eine gute Infrastruktur im ländlichen Raum ist hier von ganz entscheidender Bedeutung für die Zukunftsperspektiven unserer Region. Darum werde ich mich auch weiterhin ganz aktiv für eine Sanierung der L373 einsetzen“, betont Andreas Gliese.