Frankfurt/Oder (kel). Über 100 Gäste waren ins Kleist-Museum gekommen, um sich vom scheidenden Chef Wolfgang de Bruyn zu verabschieden und der neuen Chefin Hannah Lotte Lund Erfolg zu wünschen.

„Wolfgang de Bruyn hat geordnete Verhältnisse geschaffen“, lobte Hinrich Enderlein, Vorsitzender des Trägervereins des Museums. Begonnen hatte de Bruyns Arbeit vor neun Jahren in einer Krisensituation. Der Bund hatte die Förderung zurückgenommen und damit die weitere Arbeit des Museums infrage gestellt. Wer bereitet nun das Kleist-Jahr 2011 vor? Wer begleitet die Planung und Errichtung des Anbaus?
Wolfgang de Bruyn ist es mit „ausgleichendem Stil“ gelungen wieder „geordnete Verhältnisse“ zu schaffen, so Enderlein. „Eine Zusammenarbeit, die man sich wünscht“. Durch enge Kooperation mit der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft und weiteren Partnern wurde das Kleistjahr 2011 ein Höhepunkt in der Geschichte des Kleist-Museums und es konnte der moderne Anbau 2013 übergeben werden.
Seit dem vorigen Jahr gibt es wieder die Förderung durch den Bund. Staatssekretär Martin Gorholt sagte, de Bruyn hätte „einen Leuchtturm mit bundesweiter Ausstrahlung“ geschaffen. Er schenkte dem gelernten Gärtner als Dank einen Birnenbaum. Er trage die wohlschmeckende Melanchton-Birne, die mit römischen Legionären nach Germanien kam. Bei Herrn von Ribbeck, bekannt durch eine Ballade von Theodor Fontane, soll sie im Garten gestanden haben.
Gorholt kündigte an, dass das Kleist-Museum in Zukunft durch eine Landesstiftung getragen werden soll. Die bisherige Vereinslösung wäre die „aller Schlechteste“, gestand Enderlein. Sigrid Bias-Engels, Gruppenleiterin bei der Kulturbeauftragten der Bundesregierung, lobte die Umwandlung in eine Landesstiftung. Lächelnd sagte sie, sie könne sich noch gut an das Bewerbungsschreiben von de Bruyn für den Chefposten des Museums erinnern. Es bestand, im Gegensatz zu den langen Begründungen der Mitbewerber, nur aus fünf Zeilen. „In dem literarisch verdichteten Text stand alles drin“, und de Bruyn erhielt den Zuschlag.
Oberbürgermeister Martin Wilke lobte die „unaufdringliche und charmante Art“ des in den Ruhestand gehenden Museumsdirektors. Die Stadt hätte immer gut mit ihm zusammengearbeitet. Als Dank erhielt Wolfgang de Bruyn die Ehre, sich ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt (Oder) einzutragen. Anschließend übergab er den Staffelstab an seine Nachfolgerin Hannah Lotte Lund. Er hoffe, dass sie mehr Zeit für inhaltliche Arbeit haben werde, sagte er. Seine Arbeit bestand zu 80 Prozent aus bürokratischen Tätigkeiten. Eine erste Herausforderung wird im nächsten Jahr die Ausstellung Kleist und die Reformation sein.
Hannah Lotte Lund wurde 1971 in Flensburg geboren, studierte Geschichte und Literaturwissenschaft, arbeitete an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, am Max Planck Institut, an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und zuletzt als Dozentin an der Universität Potsdam. Es wäre ihr eine Ehre und ein Vergnügen, in Frankfurt ein so großartiges Erbe antreten zu dürfen. Sie beginnt damit am 15. August.