Frankfurt/Oder (gla). Die Marienkirche bekommt ihr Uhrschlaggeläut zurück.

„Das Uhrschlaggeläut kommt immer noch aus einer elektronischen Konserve“, sagte Dr. Reinhard Richter, Vorsitzender des Fördervereins St. Marienkirche Frankfurt (Oder), bei einem Pressetermin hoch oben im Turm des mittelalterlichen Bauwerks. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Dank einer Förderzusage der Ostdeutschen Sparkassenstiftung können die noch fehlenden zwei Glocken nachgegossen werden.
Dr. Richter und Ulrich-Christian Dinse, Leiter der unteren Denkmalschutzbehörde von Frankfurt (Oder) und ebenfalls Mitglied des Fördervereins, schrieben gemeinsam die Ostdeutsche Sparkassenstiftung an. Es sei überliefert, dass die Kirche einst sechs Glocken besaß, erzählt Dinse. Die wurden zu Kriegszeiten mehrmals zu Kanonen umgeschmolzen und in Friedenszeiten ersetzt. Den Zweiten Weltkrieg überstand nur eine Großglocke, von den Mitgliedern des Fördervereins Maria genannt. Lange Zeit stand sie beschädigt machmal vor und manchmal in der Marienkirche. Dank der Bemühungen des Fördervereins wurde sie repariert und im Jahr 2014 zusammen mit drei neu gegossenen Glocken im Turm aufgehängt. Seitdem läutet Maria an Festtagen und bei besonderen Anlässen. Die Glocke Osanna, nach der Inschrift „Hosianna dem Sohne Davids. Gelobt sei der da kommt im Namen des Herren. Hosianna in der Höhe“ benannt, läutet am Sonntag und ruft zum Gottesdienst. Adalbert läutet am Mittag und Hedwig um sechs Uhr abends.
Nun kann die Planung für die Herstellung und Installation der fehlenden zwei Glocken beginnen. Sie schlagen zukünftig zur viertel, halben, dreiviertel und vollen Stunde. „Und wir überlegen, ob wir ein Kleingeläut daraus machen“, verrät Ulrich-Christian Dinse. Dabei könnten die kleinen Glocken gemeinsam mit Maria erklingen, der ältesten Großglocke Brandenburgs, die durch die drei mit modernen Methoden gegossenen Glocken sonst übertönt wird.
Der Förderverein erwägt auch weitere Restaurierungsprojekte. „Früher hatte die Kirche noch ein drittes Glockengeschoss“, sagte Dinse während des Pressegesprächs. „Es lag praktisch über uns.“ Das würde der Denkmalschützer gern wiederherstellen und eventuell ein mechanisches Uhrwerk einbauen lassen. Bis dahin ist noch Zeit, denn die Anfertigung des Uhrschlaggeläuts und die davor notwendigen Berechnungen dauern vorraussichtlich zwei Jahre.
Während des Pressegesprächs im Kirchturm überreichte Veit Kalinke, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oder-Spree die schriftliche Förderzusage der Sparkassenstiftung an Dr. Richter. Pfarrerin Gabriele Neumann hielt eine kurze Andacht und stimmte das Kirchenlied „Danket dem Herrn“ an. Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke und sein Pressesprecher Uwe Meier erklommen ebenfalls die steile Wendeltreppe des Kirchturms, deren über sechzig Stufen nichts für schwache Nerven sind. Wilke lobte die ehrenamtliche Arbeit des Fördervereins. „Hier wurde etwas geschaffen, das wird für Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte Bestand haben“, sagte das Stadtoberhaupt. Diana Baumgärtel, Inhaberin der „Bäckerei - Konditorei - Baumgärtel & Café Diana“ unterstützte das Projekt auf ihre Art. Sie brachte zwei große glockenförmige Lebkuchen mit. Die Anwesenden ließen sich nicht zweimal bitten und verputzten die Leckereien innerhalb kürzester Zeit.
Dr. Richter dankte der Sparkasse Oder-Spree und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung für die kontinuierliche Förderung der Marienkirche. Mit Hilfe des Geldinstituts und der Stiftung wurden in den vergangenen fünfzehn Jahren viele Projekte realisiert, darunter die Restaurierung der historischen Bleiglasfenster, die Wiederherstellung des großen Geläuts und ihrer Glockenstühle und die Restaurierung mehrerer Epitaphien zur Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017. „Wir sind überaus glücklich, Partner wie die Ostdeutsche Sparkassenstiftung als auch die Sparkasse Oder-Spree an unserer Seite zu wissen, ohne die letztere Projekte wohl kaum hätten realisiert werden können“, ergänzt Ulrich-Christian Dinse. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung fördert seit 1996 Kunst, Kultur und Denkmalpflege.
Die Sankt-Marienkirche in Frankfurt (Oder) ist die ehemalige Hauptpfarrkirche der Stadt. Sie wurde in über 250 Jahren mittelalterlicher Bautätigkeit errichtet. Mit der Stadtgründung 1253 entstand der Ursprungsbau. Der Hallenumgangschor, um 1367, gilt als einer der Ersten dieses neuen Bautyps in ganz Deutschland. Das Kirchengebäude selbst ist die größte Hallenkirche der norddeutschen Backsteingotik auf deutschem Boden. Es ist 82,5 Meter lang und 48 Meter breit. Im Jahr 1506 war die Marienkirche der Ort der Errichtung der ersten brandenburgischen Landesuniversität. Heute ist die Sankt-Marienkirche als Bürgerkirche ein Wahrzeichen der Stadt.