Frankfurt/Oder (gla). Die Stadtverwaltung wehrt sich gegen Kritik am Vergabeverfahren zur Betreibung des Inselbiergartens.

Die Stadt Frankfurt (Oder) weist die Kritik des Allgemeinen Studentischen Ausschusses (AStA), ein intransparentes Vergabeverfahren zum Betrieb des Biergartens auf dem Ziegenwerder durchzuführen, zurück. Die bevorstehende Entscheidung habe keine Auswirkungen auf die aktuellen Möglichkeiten von öffentlichen Veranstaltungen auf der Insel.
Der AStA der Europa-Universität Viadrina habe keine Anfrage und keinen Antrag zur Durchführung eines Sommerfests auf dem Ziegenwerder gestellt, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt vom 5. April 2018. Die Stadt Frankfurt genehmige laufend Veranstaltungen auf dem Ziegenwerder, weil sie an einer Nutzung der Insel interessiert sei. Zum Beispiel bearbeite sie zurzeit den Plan des Fachbereichs Kulturmanagement der Viadrina für das Unithea Theaterfestival auf dem Ziegenwerder im Juni 2018. Weitere Anträge für Kulturveranstaltungen würden in Kürze genehmigt.
Der AStA hatte angegeben, die Verlegung des Uni-Sommerfests auf den Ziegenwerder sei an Verzögerungen und Intransparenz bei der Vergabe der Bewirtungslizenz durch die Stadtverwaltung gescheitert. Stattdessen wird das Sommerfest am 13. Juni 2018 auf dem Universitätsplatz stattfinden.
 „Geplant war, den Viadrina Day gemeinsam mit der Universität wie schon in den letzten Jahren auf dem Unigelände durchzuführen und das Abendprogramm in diesem Jahr erstmals Richtung Ziegenwerder zu verlagern“, teilte AStA-Kulturreferent Adrian Piprek mit. „Da nun bekannt wurde, dass es mehrere Bewerbungen für den Betrieb der Insel gibt, könnte sich die Vergabe der Gastronomielizenz so sehr verzögern, dass eine verlässliche Veranstaltungsplanung auf dem Gelände derzeit leider nicht mehr möglich ist. Da derzeit völlig unklar ist, mit wem wir zusammenarbeiten würden, haben wir uns dazu entschieden, auch das Abendprogramm wie bereits in den Vorjahren ebenfalls auf dem Universitätscampus durchzuführen.“
Die Bewerbung von Michael Katzke, Chef der TOP Servicedienstleistungen UG sei laut AStA erst im März 2018 öffentlich gemacht worden. Darüber hinaus missfällt dem AStA-Vorsitzenden Sebastian Pape das Konzept des Bewerbers für den seit langem geschlossenen Biergarten: „Eine Einzäunung des Ziegenwerders ist weder sinnvoll noch notwendig. Ich bezweifle auch, dass sie genehmigungsfähig ist. Sollte sich Herr Katzke mit seiner Bewerbung dennoch durchsetzen, sehe ich mögliche neue Versuche für einen Umzug des Sommerfestes auf den Ziegenwerder auch in den kommenden Jahren eher skeptisch. Das Sommerfest wird aus Mitteln der Studierendenschaft finanziert. Das schließt auch die Beiträge von unseren über 1.000 Gaststudierenden aus mehr als 100 Ländern mit ein. Denen dürfte nur schwerlich zu vermitteln sein, dass mit deren Geld ein verurteilter Gewalttäter bezahlt werden würde, der in der Vergangenheit durch fremdenfeindliche Positionen, Nähe zum rechten Milieu und Angriffe auf Ausländer auffällig geworden ist.“
Während einer Pressekonferenz der Europa-Universität am vergangenen Montag relativierte der AStA-Vorsitzende diese Aussagen. Er habe inzwischen mit der Stadtverwaltung telefoniert und sei zuversichtlich für die Zukunft. Sollte Michael Katzke Betreiber des Biergartens werden, wird sich der AStA um gute Zusammenarbeit mit ihm bemühen, so Pape. Die Idee für eine Verlegung des Sommerfests hatte der AStA im Dezember 2017. „Denkt doch neu“, sei laut Pape das wichtigste Argument für den Plan gewesen, „auch um die schöne Umgebung nutzen zu können. Wir bekamen positive Signale von der Anwohnerschaft, die eine Belebung des Ziegenwerders wollen.“
Michael Katzke erläuterte auf Nachfrage: „Der Ziegenwerder wird definitiv nicht eingezäunt“. Nur den Biergarten möchte er mit einem Maschenzaun umfrieden. Das sei eine Auflage des Versicherers, da das Gelände häufig Opfer von Vandalismus wurde. Katzkes Konzept für den Ziegenwerder enthält Vorschläge für die Verbesserung des Naturschutzes und Freizeitangebots auf der Insel. Dazu zählen unter anderem Nisthilfen für Fledermäuse, ein Schmetterlingsgarten und ein Freibad. Über neunzig Prozent der Bürgeranregungen seien im Konzept schon inkludiert, so Katzke. Der Biergarten werde neben altbewährten Klassikern viele vegetarische Spezialitäten anbiegen. Kulturelle Veranstaltungen wie das Uni-Sommerfest begrüße er dort selbstverständlich.
„Mehr als eine Bewerbung kann für die Zukunft des Ziegenwerders nur von Vorteil sein“, sagt Georg Gauger, AStA-Referent für Hochschulpolitik Außen. „Wir erwarten deshalb ein faires und transparentes Ausschreibungsverfahren.“