Eisenhüttenstadt (hn). So schnell wie noch nie waren die Plätze für den Vortrag über das Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in der Region Eisenhüttenstadt, der im Dokumentationszentrum gehalten wurde, reserviert.

Das riesige Interesse an diesem Thema veranlasste die Organisatoren im Dokumentationszentrum für Alltagskultur der DDR nun, einen zweiten Abend mit Rüdiger Sielaff, seit 2002 Leiter der Außenstelle Frankfurt (Oder) der Stasi-Unterlagenbehörde (BStU), zu planen. Damit auch jene, die diesmal zu spät dran waren, in den Genuss äußerst interessanter Informationen gelangen können.
Doch bevor der abendliche Vortrag begann, hatten Bürger die Möglichkeit, einen Antrag auf Einsicht in ihre Akte - so vorhanden - zu stellen. Unter Mithilfe von BStU-Mitarbeiterin Andrea Woitschack und ihrer Kollegen gestaltete sich das Ausfüllen des Antrages als äußerst einfach.?Nach dem Vorlegen des Personalausweises war nur noch das Gedächtnis bei der Aufstellung der Wohnortliste aus DDR-Zeiten gefragt.
„In unserer Außenstelle lagern auch die Unterlagen der Kreisdienststelle Eisenhüttenstadt des MfS”, erklärte Rüdiger Sielaff. „Und wir haben eine der spannendsten Aufgaben, die man sich überhaupt vorstellen kann.” Die Beschäftigung mit den Akten sei alles andere als langweilig. Dabei treten viel interessante Fakten an den Tag, mit denen er seine abendlichen Gäste konfrontierte. Ernstes, aber auch Kurioses kam dabei ans Licht, wie etwa die Frage an die Ehefrau von IM Gerhard, welches ihre Vorbilder seien. „Jesus, Lenin, Gorbatschow und Honecker”, lautete die Antwort. Weit über 500 Inoffizielle Mitarbeiter (IM), die viele, viele Informationen zusammen trugen, gab es im Kreisgebiet Eisenhüttenstadt.
An exponierter Stelle stand dabei natürlich das EKO mit der ständigen Suche nach Spionen und Saboteuren. Fleisch- und Backwarenkombinat standen ebenso im Fokus der Datensammlung wie Kirche und Jugend. Die Beobachtung Ausreisewilliger und Berichte aus allen Lebensbereichen sind Beleg für die konspirative Arbeit. So mancher unbescholtene Bürger stellte beim Einsehen seiner Akte fest, wie nah das MfS durch Freunde und Bekannte an ihm dran war. Abertausende von Karteikarten und Akten nahmen Rüdiger Sielaff und seine Mitarbeiter bisher in Augenschein, 111 Regal-Kilometer Akten und Schriftgut, 47 Regal-Kilometer verfilmtes Schriftgut, 39 Millionen Karteikarten, fast zwei Millionen Fotos, Negative und Dias sowie 15.500 Säcke zerrissenes Material würden als Gesamthinterlassenschaft des Ministeriums für Staatssicherheit noch viele Jahre zur Aufarbeitung in Anspruch nehmen.