Frankfurt (Oder). Erst eine Anfrage des OderlandSpiegels brachte zutage, dass den Stadtverordneten ein fehlerhafter Lebenslauf des neuen Pressesprechers zur Abstimmung vorgelegt wurde.

Von Katja Gehring


„Herr Oberbürgermeister, haben Sie den Lebenslauf von Herrn Meier auf seinen Wahrheitsgehalt untersucht oder vertrauen Sie seiner Reputation?”, wollte die Redaktion von René Wilke wissen. Das war am Donnerstag, dem 20. September 2018. Am Montag darauf schickte der neue Pressesprecher Uwe Meier die Antwort des Oberbürgermeisters. Sie lautete: „Tatsächlich halte ich unseren Pressesprecher Herr Uwe Meier für einen guten Journalisten. Zudem verfügt er über mehr als 25 Jahre Berufserfahrung, die er in verschiedenen Positionen erworben hat. Mir ist keine Person in Frankfurt (Oder) bekannt, die gänzlich unumstritten ist und von allen gemocht wird. Ich denke, vor allem wer als Journalist tätig ist oder war, hätte seinen Beruf verfehlt, wenn das anders wäre.“ Die Frage hatte er dabei total ignoriert.
Im Lebenslauf, den die Stadtverordneten erhielten und der dem OderlandSpiegel vorliegt, stand, dass Uwe Meier von 2011 bis 2016 Geschäftsführer der OderlandSpiegel Verlagsgesellschaft mbH war. Das ist falsch. Meier war lediglich als Geschäftsleiter eingesetzt.
Dieser Fehler in den Unterlagen ist dem Pressesprecher einen Tag nach Beantwortung der Medienanfrage aufgefallen. Er hielt es für notwendig, eine E-Mail hinterher zu schicken, in der er erklärt: „In späteren durch die Verwaltung erstellten Unterlagen wurde aus dem Geschäftsleiter ein Geschäftsführer gemacht. Dieser Fehler ist nun erkannt und wird korrigiert.“ Damit sei auch die ursprüngliche Frage beantwortet: „Ja, der Lebenslauf des Pressesprechers wurde überprüft.“ Allerdings erst jetzt, nachdem Meier seinen unterschriebenen Arbeitsvertrag in der Tasche hat.
Oberbürgermeister René Wilke schien der angebliche Lapsus der Verwaltung so peinlich zu sein, dass er sich am Dienstag, dem 25. September 2018 um 13.37 Uhr telefonisch in der OderlandSpiegel-Redaktion meldete. In einem etwa fünf Minuten dauernden Gespräch wurde sich darauf geeinigt, dem OderlandSpiegel den Lebenslauf, mit dem sich Meier einst beworben hat, in digitaler Form zur Verfügung zu stellen.
Wahrscheinlich, so wurde im Team gemutmaßt, wird das bis Redaktionsschluss nichts. Schließlich müsste im Rathaus Meiers Personalakte angefordert, der Lebenslauf entnommen und eingescannt werden, um ihn zu mailen. Falsch gedacht. Schon um 14.11 Uhr schickte Meier die Datei per E-Mail mit der Bemerkung: „anbei der eingereichte Lebenslauf im Originaltext als PDF”. Die Redaktion prüfte die eingereichte Datei. Das Ergebnis: Sie wurde am 25. September 2018 um 14.09 Uhr angelegt. In dem vorliegenden PDF ist eine Schrift eingebettet, was bedeutet, dass es sich definitiv nicht um einen Scan handelt. Uwe Meier hat seinen angeblich originalen Lebenslauf mal schnell auf seinem privaten Laptop getippt.
Darauf deutet auch hin, dass in dem Lebenslauf, der in den Unterlagen der Stadtverordneten lag, alle Beschäftigungszeiten in Monaten und Jahren angegeben waren. In dem angeblichen Original beschränkt sich Uwe Meier auf Jahreszahlen. Außerdem fehlt in diesem Exemplar die zweite Seite völlig - und somit drei Stationen seines Wirkens.
Dass René Wilke und Uwe Meier sich gut verstehen, war schon im OB-Wahlkampf zu erkennen. Bereits damals gehörte Meier zu den engsten Vertrauten Wilkes. Dass der Oberbürgermeister, der in seinem Amt gut angekommen ist, seinem Kumpel so sehr die Stange hält, ist hingegen nicht nachvollziehbar. Öffentlich bekundet René Wilke immer wieder, dass die Stadtverordneten der Personalie Meier mit großer Mehrheit zugestimmt hätten. Die vielen Enthaltungen verschweigt er einfach.
Uwe Meier hat in der Vergangenheit in Frankfurt (Oder) großen Schaden angerichtet. Sein Agieren mündete im Dezember 2014 sogar in einem Hausverbot bei den Stadtwerken. Sowohl Meier als auch der Oberbürgermeister wollen davon bis zu einer Anfrage des OderlandSpiegels nichts gewusst haben, seien aber zu Gesprächen mit dortigen Verantwortlichen bereit.
Der OderlandSpiegel wollte auch wissen, wie der Oberbürgermeister zu der Aussage steht, dass durch die Einstellung des Pressesprechers nun die Stadt Frankfurt (Oder) für den wirtschaftlichen Schaden bezahlt, den Uwe Meier in seiner jüngeren Vergangenheit angerichtet hat. In seiner Antwort greift Oberbürgermeister René Wilke den OderlandSpiegel an: „Die Frage in diese Richtung lässt mich wiederum fragen, ob das die Haltung eines Anzeigenzeitungsverlages gegenüber seinen Kunden ist, die zum größten Teil auch wirtschaftlich selbstständig sind und den Mut aufbringen, Risiken einzugehen. Sind UnternehmerInnen, die scheitern, dann für Sie geringwertiger und nicht mehr würdig, eine andere Beschäftigung aufzunehmen?” Keinesfalls. Die Anfrage resultiert nicht nur aus den Erfahrungen, die der OderlandSpiegel mit Uwe Meier machte. Immerhin hat nach seiner Entlassung das Landeskriminalamt monatelang gegen den Mann ermittelt. Vielmehr greift die OderlandSpiegel-Redaktion damit die Stimmung in der Frankfurter Unternehmerschaft auf. Kai-Uwe Chromik, Inhaber von Chromik Offsetdruck in Markendorf beispielsweise findet, dass die Besetzung der Stelle des Pressesprechers mit Uwe Meier zu den weniger glücklichen Entscheidungen gehöre. „Er hat mit der vorhersehbaren Pleite seines Projektes Oderlandkurier nicht nur seinen ehemaligen Arbeitgeber, den OderlandSpiegel, in eine unangenehme Lage gebracht, sondern auch etlichen Frankfurter Dienstleistungsunternehmen erhebliche Verluste beigebracht”, sagt Chromik aus eigener Erfahrung. Er fragt sich, was gerade Meier für diese Vertrauensposition so sehr qualifiziert? „Eine Auswahlkommission der Stadtverwaltung führte mit den Bewerberinnen und Bewerbern Gespräche und bewertete ihre Qualifikation, ihre Berufserfahrung, ihre erworbenen Kenntnisse sowie die von ihnen skizzierte Interpretation des Amtes. Herr Uwe Meier erwies sich in diesem Verfahren als der am besten geeignete Bewerber”, verteidigt der Oberbürgermeister die Entscheidung für Uwe Meier.
Inzwischen hat die AfD-Fraktion bei der Kommunalaufsicht Beschwerde gegen die Stellenbesetzung mit Uwe Meier als Pressesprecher eingelegt. Wilko Möller, Vorsitzender des AfD-Stadtverbands kritisiert, dass die Qualifikationen Meiers - er kann eine anderthalbjährige Maurerlehre und und sechsmonatiges Volontariat vorweisen - nicht mit den in der Ausschreibung geforderten Voraussetzungen konform sind. Möller meint, es hätte weitaus mehr Bewerbungen gegeben, wenn die Interessenten gewusst hätten, dass der Ausschreibungstext nicht bindend ist. Der Oberbürgermeister wurde dazu vom Innenminsterium bereits befragt und müsse nach eigener Aussage keine Beanstandungen befürchten. Wie sich die Situation nach den Querelen um Meiers Lebenslauf gestaltet, bleibt abzuwarten. Recherchen in verschiedenen Internetforen ergaben, dass schon kleinste Flunkereien im Lebenslauf in der freien Wirtschaft zu einer fristlosen Kündigung führen.