Neuzelle (hn). Kürzlich hatte der Helferkreis der Kirchengemeinde Möbiskruge zu einem Informationsabend in das evangelische Gemeindehaus eingeladen.

Dietmar Brummack, Organisator des Helferkreises, berichtete über dessen Geschichte, die im Jahr 1994 mit dem damaligen Möbiskruger Pfarrer Christoph Kurz begann.
Nach dem Ende des durch die NATO geführten Balkankrieges, der den Zerfall Jugoslawiens zur Folge hatte, fuhr Kurz mit einem Potsdamer Hilfstransport in das Kriegsgebiet und beschloss danach, auch mit seiner Kirchengemeinde Hilfe zu leisten.
Es dauerte nicht lange, bis Mitstreiter gefunden waren und ein Spendenaufruf ein unerwartetes Echo in der Bevölkerung der Region fand. Kirchengemeinden in der Umgebung und Unternehmen erklärten sich bereit, als Spendensammelstellen mitzumachen, und die Familie Krüger aus Kobbeln übernahm das Durchsehen und Sortieren der Hilfsgüter.
So führten 1995 jeweils im Frühjahr und im Herbst die ersten Transporte nach Kroatien statt, 12 bis 14 Kleintransporter gingen auf die Reise, jeder mit zwei Fahrern besetzt. Recht abenteuerlich gestaltete sich dieses Unterfangen, nach einem finanziellen „Kompromiss” zur beschleunigten Abfertigung an der slowakischen Grenze kam der Transport am Abend des ersten Tages in der kroatischen Stadt Varazdin an. Das Quartier wurde in einer ehemaligen Kaserne aufgeschlagen, die von der 1.000 Mann Besatzung geräumt worden war, um 4.000 Kriegsflüchtlingen Platz zu machen. Die 25 Helfer mittendrin. Da es sich zeigte, dass diese Flüchtlinge gut versorgt waren, besuchten die Helfer am nächsten Tag ein Bahnhofsgelände, auf dem mehrere hundert Flüchtlinge in Transportwaggons untergebracht lebten.
Eine kroatische Familie, die wegen ihres zerschossenen Hauses in den Hühnerstall umgezogen war, lud die weit Gereisten später zu Bohnensuppe aus einem großen Kessel ein. Die für den nächsten Tag geplante Weiterfahrt nach Pakrac musste einen Umweg nehmen, weil an der vorgesehenen Strecke nachts wieder geschossen worden war.
Nachdem sich die Lage in Kroatien gebessert hatte, kam ein Kontakt zwischen dem damaligen stellvertretenden Transportleiter Uwe Krüger und dem ungarischen Roten Kreuz Kaposvar zustande, der zum Kontakt mit dem Heim für schwer- und schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche in Barcs führte, das seit 1997 Ziel der Hilfstransporte ist.
Dietmar Brummack erinnerte in diesem Zusammenhang auch an gestorbene Mitglieder des Helferkreises. So gibt es je eine Gedenktafel am Gebäude des Heimes für die ehemaligen Transportleiter Uwe Krüger aus Kobbeln und Peter Jansen aus Storkow, aber auch die Namen von Dieter Metze aus Müllrose und Bernd Hoffmann aus Eisenhüttenstadt werden mit der Geschichte des Helferkreises verbunden bleiben.