Ostbrandenburg (geh). Der von Migranten selbstorganisierte Verein Kontakt Eberswalde begleitet Pflegerinnen und Pfleger aus dem Ausland mit einem Projekt auf dem Weg zur staatlichen Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und Gesundheits- und Krankenpfleger.

Es gibt von Land zu Land Unterschiede in der Ausbildung, die Pflegerinnen und Pfleger vor einer Anerkennung in Deutschland ausgleichen müssen. Das Qualifizierungsprojekt sichert die Finanzierung der Teilnahmekosten an einem entsprechenden Lehrgang. Flankierend bietet es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein fachbezogenes Sprachtraining - wichtig für die Kommunikation mit Ärzten, Patienten oder die Pflegedokumentation.
Mit dem Projekt „Anpassungsqualifizierungen in den sozialen Ausbildungsberufen und den Gesundheits- und Pflegeberufen“ ist der Kontakt Eberswalde e.V. Teil des IQ Netzwerks Brandenburg im Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“.
Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF).
Fünf im Land Brandenburg lebende Krankenschwestern aus Moldawien, Polen, Russland, Tadschikistan und der Ukraine haben Mitte August 2017 ihre Anpassungsqualifizierung - einen elf Monate dauernden Lehrgang - abgeschlossen. Sie dürfen jetzt in Deutschland in ihrem erlernten Beruf als Gesundheits- und Krankenpflegerinnen arbeiten.
Die Anerkennung ihres Berufsabschlusses in Deutschland ist für viele Arbeitnehmer aus dem Ausland ein wichtiger Schritt in Richtung finanzieller Eigenständigkeit. Gleichzeitig besteht im Gesundheits- und Krankenpflegebereich in Brandenburg ein Bedarf an Fachkräften.
Um in Deutschland als Krankenschwester arbeiten zu können, hat sich auch Mariana Cernolev (37) entschieden, noch einmal die Schulbank zu drücken. Schließlich möchte die Mutter von zwei Kindern wieder als OP-Schwester arbeiten. Der Operationssaal war bereits in ihrer Heimat Moldawien ihr favorisierter Arbeitsplatz. Die Wahl-Potsdamerin musste die deutschen Fachbegriffe neu lernen: „Direkt übersetzen kann man vieles nicht, das ist oft ein anderer Zugang. Also habe ich auch nach der Schule viel gelernt. Meine gesamte Küche war mit Fragen und Antworten zu Prüfungsthemen beklebt”. So habe sie auch beim Kochen noch lernen können.
„Ich bin sehr dankbar, dass es das IQ-Projekt gibt. Denn die hohen Kosten für die Anpassungsqualifizierung hätte ich nicht selbst tragen, einen Kredit nicht aufnehmen können“, so  Farida Yodgorova (33) aus Tadschikistan. In ihrer Heimat hat sie drei Jahre lang studiert, danach war sie mehrere Jahre als Krankenschwester tätig. Nun möchte sie in Cottbus ihren Beruf wieder aufnehmen.
Ganz viel Krankenhauserfahrung nicht nur aus der Ukraine, sondern auch aus Israel bringt Schwester Marta Yakubovych (43) mit nach Brandenburg. „Die Pflegeplanung hat in Deutschland in meinem Beruf einen besonderen Stellenwert, das kannte ich so bisher nicht. Neugierig hat es mich allerdings gemacht und nun sehe ich meine berufliche Zukunft im Gesundheitsmanagement.“
Im September starten neue Kurse. Fragen werden  unter der Rufnummer 0 33 34-38 30 70 oder per E-Mail an kontakt-eberswalde@freenet.de beantwortet.