Frankfurt/Oder (gla). Die deutsch-polnische Jugendagora traf sich im Frankfurter Rathaus.

Über vierzig junge Frauen und Männer aus der Grenzregion zwischen Küstrin-Kietz und Forst, Kostrzyn nad Odra und Gubin tagten kürzlich im Saal Heilbronn. Die Jugendagora begann 2010 auf Schloß Trebnitz mit dem Ziel, ein deutsch-polnisches Jugendparlament zu simulieren. Die Jugendlichen diskutieren dabei mit Hilfe von Dolmetschern über Resolutionen, die sie nach der Abstimmung Politikern und anderen Akteuren vorlegen möchten.
Die jungen Leute haben sich inzwischen in vier Parteien zusammengeschlossen: Die Partei „Put Europe in your heart“, die liberal-kapitalistische Partei, die sozialistische Partei und die Partei der grünen Vernunft. „Es gab schon Übertritte“, erzählt Christopher Lucht, verantwortlich für Demokratiepädagogik beim Bildungs- und Begegnungszentrum Schloß Trebnitz. Innerhalb der sozialistischen Partei herrschen zurzeit obendrein Friktionen über ihr Grundziel, das Geld abzuschaffen.
Hauptanlass der aktuellen Tagung waren die Europawahlen in diesem Jahr. Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jugendagora im Rathaus. Er betonte, wie wichtig die Partizipation Jugendlicher in Europafragen sei. Ein Grund für den Ausgang des Brexit-Referendums sei gewesen, dass zu wenig junge Leute mitmachten.
Wilke widersprach dem Vorurteil, das Europaparlament bestehe nur aus Bürokraten. René Wilke selbst arbeitete sieben Jahre lang für einen Europaabgeordneten in Brüssel. „Da habe ich wirklich sehr viele Menschen kennengelernt, die für Europa brennen, die sich den Hintern aufreißen für Europa“, sagt der Linken-Politiker. Nationalistische Slogans wie Donald Trumps „America first“ würden zwar erst einmal logisch klingen, seien aber ein Irrweg. „Auch in Polen beobachte ich solche Prozesse auf nationalstaatlicher Ebene“, sagt René Wilke.
Christopher Lucht, der in der Vergangenheit ebenfalls für einen Europaabgeordneten gearbeitet hatte, schlug als Gegenparole „Europe united“ statt „Wir zuerst“ vor.