Eisenhüttenstadt (hn). Seit dem Frühsommer dieses Jahres treffen sich einmal wöchentlich deutsche und Flüchtlingsfrauen unter der Schirmherrschaft der Caritas in der Stadtbibliothek zur gemeinsamen Handarbeit.

„Unser Ziel ist, dass die Frauen zusammen finden”, sagt Elke Bumiller-Krause vom Wohnverband für Flüchtlinge im Landkreis Oder-Spree. Es soll ein Forum geschaffen werden, worin sie sich gegenseitig kennen lernen können. Da alles ohne Dolmetscher abläuft, ist diese Handarbeitsstunde für die syrischen Frauen auch eine gute Gelegenheit, die deutsche Sprache zu erlernen, ohne Lehrbuch, sondern in der Anwendung.
Viele von ihnen können gar nicht häkeln oder stricken. Sie lernen es in dieser Runde, und alles wird so gestaltet, dass sie bereits am ersten Tag mit einem kleinen Erfolgserlebnis, etwa in Form eines Schlüsselanhängers oder einer Handytasche nachhause gehen. Dort wird dann weiter geübt und das Ergebnis beim folgenden Treffen vorgestellt. „Hin und wieder wird auch etwas untereinander verschenkt. Und wenn es jemand möchte, können wir damit auch einen Basar gestalten”, so Bumiller-Krause.
Bezüglich der vorhandenen Fertigkeiten gibt es auf beiden Seiten kaum Unterschiede. Wer es nicht gelernt hat, kann alles in diesem Kreis nachholen. So bringen Mütter gelegentlich ihre Töchter und Großmütter ihre Enkelinnen mit, und jedes Mal geht es sowohl sprachlich als auch handwerklich ein bisschen besser, was sich später einmal hinsichtlich größerer Chancen auf dem Arbeitsmarkt auswirken soll. Aktivistin der Handarbeitsrunde ist Doris Budach, die sich ehrenamtlich engagiert und mit großem Erfolg das Handwerkliche vermittelt.
Während der Handarbeitstreffen kommen die Frauen auch ins Gespräch, reden über Religion und Tagesgestaltung, der Rolle der Frau und das Zusammenleben in ihrer Kultur, stellen dabei oftmals fest, dass die Unterschiede so groß gar nicht sind. Thematisiert wird dabei natürlich auch das Kopftuch als äußeres Zeichen der Religionszugehörigkeit, wobei die syrischen Frauen immer wieder betonen, dass die komplette Gesichtsverhüllung vom Koran nicht gewollt ist.
Wer Interesse hat, sich im Handarbeitskreis zu engagieren und zu lernen, kann jeweils montags um 15 Uhr in die Stadtbibliothek kommen - ausgestattet mit Häkel- oder Stricknadel sowie einer handvoll Wolle.