Ostbrandenburg (gla). Die deutschen und polnischen Trägervereine der Euroregion Pro Europa Viadrina präsentierten die Ergebnisse einer Pendleranalyse.

Im Gebäude der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg stellten Vertreter der mit der Studie beauftragten Firmen ihre Resultate vor. Dr. Ralf Günzel von Proziv war aufgefallen, dass auf der polnischen Seite über vierzig Prozent der Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe sind. Auf deutscher Seite überwiegt der Dienstleistungssektor.
Sven Friedrich von Infrastruktur & Umwelt betonte die Bedeutung der Buslinie 983 für Frankfurt und Slubice. Nicht nur dieser Bus, sondern die grenzüberschreitenden Verkehrswege insgesamt seien überansprucht. „Was auffällig ist für Frankfurt an der Oder ist der hohe Schwerlastanteil, der auch stark gestiegen ist“, sagte Friedrich. Die Regionalzüge zwischen Fürstenwalde und Berlin seien schon seit 2013 überlastet. Auf dem Abschnitt zwischen Fürstenwalde und Frankfurt wären nur noch sehr geringe Kapazitäten frei. Züge zwischen Küstrin und Berlin seien in der Hauptverkehrszeit überfüllt. „Das zeigt, dass da durchaus Handlungsbedarf naheliegend ist, aus unserer Sicht“, schlussfolgerte der Experte. Neben mehr Zügen sei auch ein Neubau der Brücke von Küstrin nach Kostrzyn in den nächsten Jahren notwendig.
Toralf Schiwietz, Geschäftsführer der Mittlere Oder Euroregion schlug vor, Kostrzyn in den VBB-Tarif aufzunehmen, um die Autobrücke zu entlasten, die Ostbahn zweigleisig auszubauen und zu elektrifizieren. „Wir hätten das auch ohne Studie gewusst“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Rainer Schinkel während der anschließenden Diskussion. Die Zahlen würden allerdings gebraucht, um eine Botschaft in Richtung Landesregierung zu senden.

Bei der Diskussion, die der Präsentation folgte, meldete sich Seelows Bürgermeister Jörg Schröder zu Wort: „Wir reden seit Jahren darüber, dass die Ostbahn in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird. Steht bis heute nicht drin.“ Auch beim Küstriner Bahnhof seien Verbesserungen erforderlich, sagte Schröder: „Da muss noch eine Menge passieren, bis das ein toller Bahnhof wird.“
Michael Buhrke, Beigeordneter des Landkreises Oder-Spree forderte mehr Züge nach Berlin: „Wenn man schon einmal in Fürstenwalde zugestiegen ist, zur Hauptverkehrszeit, sieht man ganz deutlich, dass auch ein Zug an seine Grenzen stößt.“
Das Marschallamt der Wojewodschaft Lubuskie habe ebenfalls Konsultationen zum grenzüberschreitenden Verkehr durchgeführt, gab Maciej Nowicki, Direktor der Abteilung für Regionalentwicklung des Marschallamts bekannt. Auf deutscher Seite gäbe es Probleme, Ämter und Stellen zu erreichen, die für eine Verbesserung der Verkehrsbedingungen zuständig sind.
Dr. Martin Wilke, Vorsitzender der Mittlere Oder Euroregion, begründete die Notwendigkeit der Pendleranalyse: „Für das, was wir von Potsdam, von Warschau und Berlin verlangen, brauchen wir gute Argumente.“ Auf die Frage des OderlandSpiegels, was Frankfurt und die Landkreise für den grenzüberschreitenden Nahverkehr tun können, versprach Dr. Wilke, sich für den Erhalt der Buslinie 983 einzusetzen, die auch von den Studenten der Europa-Universität Viadrina unterstützt wird. „Inwieweit wir sie weiter ausbauen, ist im Gespräch“, so Frankfurts Oberbürgermeister. Rainer Schinkel, Beigeordneter von Märkisch-Oderland, zeigte Interesse an einer Buslinie zwischen Küstrin-Kietz und Kostrzyn. Leider verhindere das der Zustand der Oderbrücke, die das Gewicht eines Busses zurzeit nicht tragen könne. „Wenn wir irgendwann eine neue Brücke haben, werden wir uns damit befassen.“