Eisenhüttenstadt (hn). Unter dem Motto „Und an was glaubst Du?” luden die ambulanten Hospizbetreuer der Johanniter kürzlich zur inzwischen dritten Filmnacht in die Kleine Bühne ein.

Im Mittelpunkt stand der 90-minütige Film „Atempause”, worin es um das Abschiednehmen von einem Jungen ging, der beim Fußballspiel am Kopf getroffen wurde und an den Folgen eines geplatzten Aneurismas im Gehirn starb. Im zweiten Film „Die besten Beerdigungen der Welt”, der oftmals zum Schmunzeln anregte, zeigten Kinder ihren eigenen Blick auf den Tod, indem sie ein Bestattungsunternehmen für tote Tiere gründeten und Beerdigungen ohne die Sichtweise ihrer Eltern gestalteten.
„Das Thema sterbende Kinder trifft uns immer wieder”, sagte Eileen Samol, Fachbereichsleiterin Hospizdienste und Koordinatorin von Kinderhospizdiensten im Oderland. „Wir möchten mit den Menschen in den Austausch darüber treten und heute Abend darüber diskutieren”, kündigte sie an. Dabei ging es nicht nur um das Abschiednehmen, sondern auch um Beerdigungen, die für die Bewältigung von Trauer unerlässlich sind.
„Jede Beerdigung sollte individuell auf die Persönlichkeit des Verstorbenen ausgerichtet sein”, so Samol. Die die Idee der Filmnacht griff sie in Bergisch Gladbach auf. Es sei schön und bewegend gewesen, so dass vor zwei Jahren die erste in Eisenhüttenstadt organisiert wurde und nun steigende Besucherzahlen verzeichnet.
Mit dieser Veranstaltung will der ambulante Hospizdienst für Kinder und Erwachsene auch immer wieder auf seine Existenz aufmerksam machen und die Angehörigen Sterbender ermutigen, seine Dienste in Anspruch zu nehmen, sich einfach helfen und entlasten zu lassen. Zu den betroffenen Eltern zählt Anke Liedtke aus Eisenhüttenstadt. Offen und fast heiter geht sie damit um, dass ihre 18-jährige Tochter Nele als Extrem-Frühchen schwerstbehindert ist und nach Voraussagen der Ärzte über das zweite Lebensjahr nicht hinaus kommen sollte. „Sie kämpft, sie will leben und kommuniziert auf ihre eigene Weise mit der Umwelt, will bei uns bleiben und wir nutzen jeden Tag, den wir mit ihr verbringen können”, erzählt sie. Ein Pflegedienst ermöglicht, dass die Eltern auch mal in einem Kurzurlaub entspannen können. Als angenehm empfindet Anke Liedtke, dass die Scheu Fremder vor schwerstbehinderten Menschen abnimmt und es oftmals zu schönen Begegnungen kommt, die Anteilnahme ausdrücken.
Auch Bürgermeister Frank Balzer nahm an der Filmnacht teil. „Mir ist wichtig, dass wir in Eisenhüttenstadt eine solche Hospizarbeit haben. Ich empfinde Ehrfurcht vor der geleisteten Arbeit, denn gerade das Thema Sterben und Sterbebegleitung ist ja in der Öffentlichkeit noch nicht so richtig angekommen”, so Balzer. Er selbst unterstützt seit Jahren die Hospizarbeit und weist darauf hin, dass das dabei erfolgte ehrenamtliche Engagement nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Es erfordere sehr viel Feingefühl und psychologische Kompetenz, wobei die Johanniter eine hervorragende Arbeit leiste.
Unter der Moderation von Pfarrerin Dr. Elisabeth Rosenfeld wurde über viele Aspekte des Films „Atempause” gesprochen, darunter das Problem der Organspende, mit dem sich die Menschen bereits beschäftigen sollten, bevor es aktuell wird. Anfang 2019 gibt es wieder die Möglichkeit der Teilnahme an einem Lehrgang, denn ehrenamtliche Familienbegleiter für den Hospizdienst werden händeringend gesucht.